Nachdem ich mir anfangs jeden Sala im Colegio fuer einen Tag anschauen durfte um einen Eindruck von der Arbeit zu bekommen, begleite ich jetzt fest fuer drei Tage die Woche den Physiotherapeuten Alberto. An den beiden anderen Tagen, an denen er nicht in der Schule ist, helfe ich Tía Paola und Tía Rose im Sala der Multideficit Kinder.
Durch diese Teilung ist die Woche sehr abwechslungsreich und vor allem interessant. Physiotherapie, die hier allgemein als Kinesiologie bezeichnet wird, fasziniert mich total. Jedes Mal sieht man den Fortschritt der letzten Sitzung, auch wenn diese schon ueber eine Woche zurueck liegt.
Die ersten Male hat mir Alberto viel gezeitgt, seine Handgriffe und deren Effekt erklaert und mich auch mal helfen lassen. Mittlerweile darf ich sogar schon parallel zu ihm mit einem zweiten Kind arbeiten. Dieses mir entgegen gebrachte Vertrauen und die selbststaendige Arbeit, die ich je nach Kind ein bisschen abaendern kann, sind einfach gigantisch!
Die Patienten kommen aus allen Altersgruppen, sowohl Kindergartenkinder, Jugendliche als auch Erwachsene mit unterschiedlichem Krankheitsbild, die motorische Schwierigkeiten unterschiedlichen Grades, Gleichgewichtsprobleme oder einen viel zu hohen Muskeltonus haben.
In dem sehr gemuetlich eingerichteten Behandlungszimmer, das zum Entspannen einlaed, fuehlt man sich richtig wohl, vor allem im Winter ist die waermende Atmosphaere ein wichtiger Therapieteil.
Jetzt, im Fruehling, koennen wir das Programm auch mal nach draussen verlegen und das riesige Schulgelaende nutzen, das mit seinem Sportplatz, dem Trampolin, den Tiergehegen und dem neu dazugekommenen Spielplatz der Phantasie keine Grenzen setzt.
Als komplettes Gegenteil zu dieser Einzelbetreuung, erwarten mich dafuer dienstags und freitags sechs bis theoretisch elf Kinder, die jedoch noch nie vollzaehlig anwesend waren. Dieser Teil der Arbeit geht mir schon nahe.
Zwei der Kinder sind komplett blind, einer sehr schwerhoerig, eine taubstumm. Nur zwei von allen Kindern koennen sprechen, vier laufen selbststaendig, drei weitere koennen sich mit Hilfe auf den Beinen halten.
Ab neun Uhr morgens trudeln die ersten ein, um halb zehn wird zusammen im Sala gefruehstueckt, wobei jedes Essen mit einem spanischen Lied eroeffnet wird: „La colacion, que rica esta, la comeremos hastal final. Para crecer, para engordar, parar ser fuerte si poder jugar!“
Was so viel bedeutet wie “Die Mahlzeit, wie lecker sie ist, wir werden sie ganz aufessen. Um zu wachsen, um zuzunehmen, um staerker zu sein damit wir spielen koennen.“
Besonders ein Schuehler singt jedes Mal aus voller Kehle mit, wie in Trance. Er geht in jedem Lied total auf, kennt alle Texte auswendig- richtig suess!
Anschliessend findet die Fruehstueckspause fuer alle statt, in der die Kinder bei gutem Wetter draussen, bei schlechtem drinnen im Pausenraum toben.
Auch wir Tías essen dann gemeinsam im Sala de Proferores, wobei immer jeweils eine Haelfte Pause macht, die andere Pausenaufsicht.
Die darauffolgenden zwei Stunden basteln wir manchmal, so gut es eben geht, tanzen zusammen, singen oder werfen mit dem Ball hin und her. Einmal waren wir auch schon im Freihen, was den Kindern, die mitdurften, sehr gut gefallen hat.
Wie schon am Morgen, essen die Multi-Kinder, wie wir sie liebevoll nennen, schon vor den anderen, da man die meisten fuettern muss und das in der allgemeinen Mittagspause nicht moeglich ist.
Auch mittags machen wir Tías wieder „turno“ (Aufsicht), damit die jeweils anderen essen koennen.
Besonders in den Pausen komme ich dann mit den anderen Schuelern in Kontakt, die einen aufbrausend stuermisch, die anderen zurueckhaltend und bedacht. Ein Junge hat mir die Zeichensprache beigebracht, an der Gebaerdensprache muss ich noch arbeiten...........vor allem, da das Buch mit den Erklaerungen natuerlich auf Spanisch geschrieben ist. Und wenn ich die Bildchen schon nicht richtig interpretieren kann, hilft mir der spanische Ausdruck erst recht nicht weiter, aber ich hab ja ein Jahr Zeit!
Nach der Pause, die um 14 Uhr endet, beginnen die Tías meist schon damit, den Sala aufzuraeumen, zu fegen, zu putzen..........ab 15 Uhr werden die ersten Kinder abgeholt, gegen 16 Uhr sind dann alle weg.
Mein Arbeitstag endet allerdings erst um 17.30 Uhr. Noch gibt es nicht nach dem Putzen nicht viel zu tun, da die Kinder meines Salas weder Buchstaben noch Schreibuebungen, Rechnungen oder andere Aufgaben loesen koennen und ich somit auch dergeleichen nicht abpausen muss, wie das in den meisten anderen Salas der Fall ist.
Alles in allem macht mir die Arbeit sehr viel Spaß und ich bin froh hier zu sein!
Katha, das hört sich echt so richtig toll an. Wow.
AntwortenLöschenHey Katha,
AntwortenLöschenschön mal wieder von dir was zu hören.
Find ich ja total toll, dass du dort so viel helfen darfst, und vor allem dass es dir so viel Spaß macht !!
Ich wünsch dir eine schöne Woche !
Liebes Grüßle aus Stuttgart ;)
Tobias