DA BIN ICH !!! *g*

Sonntag, 7. November 2010

Nationalpark Angol

So, hier kommen mal wieder ein paar Berichte…….die Ereignisse liegen jedoch leider schon etwas länger zurück 
Am dritten Oktober sind wir mal wieder mit Alberto und Pao weggefahren. Diesmal gings zum Nationalpark bei Angol und rauf auf den Pierda de Aguila- einem alten Aussichtspunkt der Inka, von wo aus man am Horizont das Meer sehen konnte.
Die Auffahrt mit dem Jeep war Abenteuer pur. Wir hatten vorher für 10.000 Pesos getankt, was locker bis Angol und zurück reichen muss. Laut Pao läge der Nationalpark auch nur 7km weiter- auch noch locker im Budget.
Die 7km gestalteten sich jedoch als 37km, was den Tank sehr belastete, vor allem da die Strecke eine einzige Schotterpiste war mit in den Kurven abgeschrägter Fahrbahn und einer Steigung vom Kaliber unseres Rodelbuckels in Neresheim.
Nach sehr turbulenter, wackeliger, staubiger Fahrt, die einer Achterbahn in nichts nachsteht, erreichten wir endlich den Nationalpark- die Tankanzeige: ROT! Aber Hauptsache angekommen. Zur Not lassen wir halt den Berg runter rollen 
Trotz des Rats den Wärters am Eingang zum Park, den Weg bis zum Aussichtspunkt mit dem Auto zu fahren, da der Fußweg durch das Erdbeben und den Winter kaum begehbar ist, entschieden wir uns dafür die 4,3 km zu fuß zurückzulegen. Die ganze Strecke hindurch unter einem Meer aus Araukarien- teilweise älter als 2000Jahre alt. Es war wie im Dschungel. Überall Lianen, Schlingpflanzen, wilde Bambushaine und mittendurch ein Pfad so schmal, dass gerade mal eine Person darauf laufen konnte. Teilweise musste man sich sehr bücken, ausweichen, auf mini Brücken balancieren. Vorbei ging es an einer Hochhaushohen Araukarie, die innen ausgebrannt wurde. Sie lebt jedoch immer noch und bietet in ihrem Hohlraum genug Platz für 4-5 Personen!
Es war einzigartig diese feuchte Luft des Waldes. Am Boden die heruntergefallenen Piñones (Früchte der Araukarien, die an Esskastanien erinnern aber eher wie Gnocci schmecken) die Lena und ich fleißig gesammelt haben. Immer höher und höher führte uns der Pfad ins Dickicht. Plötzlich tauchen links und rechts die ersten Schneereste auf. Wildbäche rauschten in der Ferne und unbekannte Tierstimmen begleiteten uns. Alberto hörte ein Puma und am Boden konnten wir sein Fußspuren ausmachen. Ich hab wirklich Angst bekommen es könnte uns anfallen.
Auf einmal ging es nicht mehr weiter. Der Weg, der zwischendurch aus einem Bach bestand und den wir dadurch bezwangen, dass wir auf den Wurzeln der Bäume liefen, endete in einer riesigen Baumkrone, die den kompletten Weg versperrte und das Weiterkommen kurz als unmöglich erscheinen ließ. Aber so schnell geben wir nicht auf!
Alberto kletterte geschickt vorraus und einer nach dem anderen folgten wir ihm, balancierten über 50 Meter auf dem dicken aber rutschigen Stamm einer Araukarie, bis zu einem Quell mit Trinkwasserqualität. Immer wieder näherten wir uns der Spitze eines Hügels und die Hoffnung auf unser Ziel wuchs- doch dann machte der Weg eine Biegung und strebte auf eine neue Anhöhe zu. Ein Vogel mit seltsam knallroten Kopf und schwarzem Leib, der einem Specht glich und den unsereins sonst nur im Zoo zu Gesicht bekommt, flatterte ein Weilchen mit uns mit. Nach gut zwei Stunden erreichten wir endlich einen gigantischen Felsblock, der aus nur einem einzigen riesengroßen Stein bestand, welcher überall abgerundet war und eine Steigung hatte, dass wir gerade so ohne die Hände zu benutzen darauf hochlaufen konnten. Man hatte eine schier unendlich reichende Aussicht über nicht endend wollende Wälder. Am Horizont entfaltete sich im Osten die Gebirgskette der Anden. Wir waren so weit oben, dass die erste Wolkenschicht in dunkelgrau fast greifbar über unseren Köpfen hing.
Pao drängte jedoch weiter, da der Piedra del Aguila noch etwas weiter um eine Kurve lag. Er bestand ebenfalls aus einem solchen ganzen Stein, der jedoch nicht so leicht zu begehen war wie der erste. Dafür hatte die Nationalparkverwaltung aus zwei sehr langen Baumstämmen, auf die Trittbretter genagelt waren, eine Treppe gebaut die ganz hinauf führte. Es war super!
Oben angekommen haben wir erst mal gepicknickt, voll das coole Feeling!
Dort sind wir auch auf die ersten anderen Menschen gestoßen, die wohl bis zum Besucherparkplatz gelaufen sind um von dort aus die letzten 500 Meter zu gehen. Da es mittlerweile schon später Nachmittag geworden war, entschieden wir uns dafür nicht im Wald zurück zu laufen, um nicht von der Dunkelheit überrascht zu werden. Stattdessen gingen wir entlang der „Straße“. Naja, keine soooo gute Idee, da der Weg sich von vier auf fast acht Kilometer verdoppelte. Gegen 18 Uhr haben wir dann saumäßig Glück gehabt, da uns ein Auto aufgabelte, das wir angehalten hatten, und die letzen fünf Kilometer zu unserem Parkplatz fuhr. Der Mann war sogar so nett, dass er sich anbot hinter uns her zu fahren, falls uns das Benzin tatsächlich ausgehen sollte……
Es war echter Nervenkitzel. Als wir beinahe am Ende der Achterbahnstrecke angelangt sind und Lena schon wieder ein total bleiches Gesicht hatte, mussten wir unerwartet halten, da ein Jeep auf der Seite mitten auf der Fahrbahn lag. Ziemlich kaputt. Glücklicherweise ist den Insassen nichts passiert. Alle standen draußen. Weil niemand passieren konnte, staute sich eine Schlange von 20 oder sogar mehr Autos hinter uns, während die Männer vor uns vergeblich versuchten das Fahrzeug umzudrehen. Erst als sie nach ner halben Stunde davon abließen und den Jeep zurück an die Böschung schoben, konnten wir vorbei fahren. Beim Versuch den Motor zu starten, stotterte unser Auto verdächtig und ich hab nur gehofft, dass wir nicht das nächste Straßenhindernis darstellen würden- aber er sprang an!
Wir haben es tatsächlich noch bis zur nächsten Tankstelle geschafft! Danach gings nach Hause: ein anstrengender, aufregender aber auch wunder schöner Tag!




























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