DA BIN ICH !!! *g*

Sonntag, 27. November 2011

Meine letzte Reise

Da sich Carlos und Andrea Ende Juni in die Ferien verabschiedeten weil sie mit ihren Kindern nach Deutschland geflogen sind, hatten wir unseren letzten Schultag auch schon am 24. Juni.
Es fiel mir sehr schwer den Schüler, die ich in dem Jahr in mein Herz geschlossen habe, zu erklären dass ich ab jetzt nicht mehr komme.
Alle möglichen Dinge, die wir nicht mehr brauchten, haben wir der Schule vermacht, damit sie nicht verloren waren. So auch meinen Fahrradhelm, der bei Cesar auf großen Anklang stieß 
Am Abend zuvor haben uns Lena, Maya und ich noch den Schulschlüssel besorgt um unsere Überraschung, die wir mehrere Wochen lang vorbereitet hatten, in der Aula an zu bringen.
Sie bestand aus einer dreiteiligen Landkarte Chiles, die wir aus Holz ausgefräst und in den Nationalfarben des Landes angemalt haben. Zusätzlich haben wir aus goldener und silberner Pappe Sterne ausgeschnitten und Fotos der Kinder darauf geklebt (das Colegio heißt ja schließlich „Sternenkinder“). Diese hingen wie bei einem Mobile von der Decke herunter und versetzten die neugierigen Schüler in unvorstellbares Staunen! Sie haben sich riesig gefreut, besonderes wenn sie sich selbst auf einem der herunterbaumelnden Sterne erkannt haben!
Für den Pré-Basico- Sala (Kindergarten) haben wir ein extra Mobilee gebastelt, das anstelle der Landkarte aus einer Wolke bestand.





































































Zum Abschied erhielten meine „Malwerkstattkinder“ und die, die ich in der Physiotherapie hatte jeweils ein Armband, das sie immer an mich erinnern soll. Ich trage das gleiche am Handgelenk und denke umgekehrt genau so sehr zurück an sie.
In der Mittagspause konnten wir ein letztes mal miteinander schmusen (das lieben die kleinen einfach nach wie vor) und es hingen so viele Kinder wie noch nie an mir.
Romina weinte und schluchzte und war kaum zu beruhigen. Auch mir kullerten dicke Tränen übers Gesicht und von den Lehrern erfuhr ich dass viele Kinder in den Klassenzimmern auch weinten…

Als dann die Schulbusse kamen um die Alumnos nach Hause zu fahren, war ich gerade im Physiotherapieraum. Hans wurde in seinem Rollstuhl vom Sala abgeholt um in den Furgon (Schulbus) gehoben zu werden, doch er weigerte sich: „Tia, ich kann jetzt noch nicht in den Bus, ich muss mich erst noch von tia Katha verabschieden.“ Und tatsächlich wartete er bis mich die anderen geholt hatten und lies sich erst dann in das Auto verladen als er mir „Chau tia Katha“ gesagt hatte.
Total süß!

Einen Tag später, am Samstag, feierten wir dann mit den dicksten Freunden unser Abschiedsfest bei Mayas „Schwiegermutter“, die ein großes Haus hat und uns einfach einlud!
Es war richtig lustig, wir haben gegessen, gelacht, getanzt und alle haben uns noch etwas in unsere Büchlein geschrieben.
Gegen zwei Uhr nachts sind alle bis auf unsere Nachbarn und Susi und Jaime noch auf in die Disco! Natürlich ließen es sich Santiago und Eduardo nicht nehmen uns freien Eintritt zu schenken und wir brachten als Überraschung für Santiago, der an dem Tag Geburtstag hatte, einen von Maya selbst gebackenen Kuchen mit! Hat der sich gefreut!
Plötzlich tauchte irgendwann auf der Tanzfläche neben uns Jaime mit seiner ältesten Tochter auf! Voll cool! Er hat Susi nur heim gebracht und dann seine Tochter mit genommen! Wir haben uns riesig gefreut!
Dan wurde natürlich durchgetanzt und als das Urbanos um 5 Uhr morgens das letzte langsame Schmuselied spielte und dann das Licht anging, waren wir gezwungen bei uns in der Wohnung weiter zu feiern.
All unsere Kaffeevorräte haben wir zu Nichte gemacht, Yeka, Maya und Kotete haben sich relativ schnell in die Betten verabschiedet.
Weil der erste Bus der anderen allerdings erst um 7.30 Uhr fuhr, blieben Lena und ich tapfer wach. So gegen 8 Uhr konnten wir uns dann aufraffen, haben unsere Gäste noch zum Busbahnhof begleitet und waren etwa eine Stunde später wieder in der Wohnung, wo zuerst einmal AUFRÄUMEN angesagt war.

































































































































































Lena hatte um 12 Uhr einen Bus nach Santiago, um von dort aus nach Iguazu in Argentinien zu fliegen, sodass es sich definitiv nicht mehr lohnte zu schlafen.
Mittags verabschiedeten wir zusammen mit Yeka und Pao Lena mit Taschentücherwinken am Terminal.
Abends kam Ramiro, mein verrückter Rasta-Amigo noch vorbei, den ich um acht allerdings völlig fix und foxi mit Maya alleine zurück lassen musste .

Am Montag war schließlich mein letztes Karate Training, zu dem unerwarteter weise Pablo auftauchte, um mir noch einmal tschüß zu sagen und ein letzes mal für mich auf Deutsch bis zehn zu zählen! 


















Dienstag den 28. Juni begleiteten mich dann Maya und Ramiro zum Busterminal, da ich vorhatte nach Temuco zu fahren, dort den Bus nach San Martin de los Andes in Argentinien zu nehmen, drei Tage später auf der Rückreise kurz mein Gepäck aus der Wohnung zu holen und direkt weiter nach Santiago zu fahren.
In Temuco angekommen, lief ich mit meinem Rucksack ewig lang durch die fast menschenleere Stadt (es war Feiertag und die Geschäfte hatten fast alle geschlossen) und suchte nach der Busagentur, die nach Argentinien fährt. Nach langer Suche und der Hilfe eines sehr freundlichen älteren Mannes, der mich sogar extra dort hin begleitete, erfuhr ich dass die nächste Abfahrt erst am darauffolgenden Morgen um 6 Uhr sei. Ich müsste also in Temuco übernachten und irgendwie hatte ich schon jetzt genug! Die ganze Verabschiedung war für mich einfach viel zu schnell und ich wollte so viel Zeig wie möglich einfach noch mit meinen Freunden verbringen!
Der nette Mann bot mir sogar an mich den weiten Weg zurück zum Terminal zu fahren, wo ich den nächsten Bus zurück nach Los Angeles buchte.
Pao holte mich nachts am Busbahnhof ab und ich durfte bei ihr übernachten.

Die darauffolgenden drei Tage verbrachte ich hauptsächlich mit Yeka in unserer Stammkneipe, bei unseren besten Freunden, im Taiwanesischen Restaurant meines Tai Chi Lehrers, einfach überall dort wo ich das Gefühl hatte mich noch verabschieden zu müssen!
Am Donnerstag habe ich dann Chop Suey gekocht und abends nochmal ein paar Freunde eingeladen. Die allerwichtigsten: Yeka, Karen, Pao, Ramiro und Maria (Mayas Schwiegermutter) mit Sebastian.
Es war ein eher ruhiger, aber sehr emotionaler Abschied.

Yeka blieb über Nacht (obwohl sie eigentlich am nächsten Tag hätte arbeiten müssen) und früh am Freitagmorgen kam extra noch Maria mit ihrem Auto, um mich mit samt meinem ganzen Gepäck (das ich unmöglich hätte tragen können) zum Terminal zu fahren (das ich mittlerweile schon fast wie meine Westentasche kannte).
Yeka fuhr mit und wir heulten alle drei wie Schlosshunde. Der Bus hatte zudem noch 20 Minuten Verspätung, sodass schließlich der ganze Tränenspeicher absolut leer war!

Während der sechsstündigen Fahrt konnte ich kein Auge zu tun.
In Santiago angekommen halfen mir Apart (mein großer Bruder) und Heide vom Zwischenseminar total lieb mit meinem Gepäck! Apart war das Jahr über in Santiago und kannte sich einfach viel besser aus als ich, außerdem wäre ich mit den schweren Rücksäcken und Koffern wohl ziemlich überfordert gewesen….
Er buchte mit mir direkt ein Busticket für den nächsten Morgen nach Mendoza in Argentinien, was gar nicht so einfach war, da zu dieser Zeit die „Copa America“ ausgetragen wurde, die Südamerikanische Fußballmeisterschaften.
Danach brachten sie mich zum Taxistand, von wo aus ich zu Pauli und Angelo fahren wollte, die seit den Sommerferien eine Wohnung in Santiago haben und mir ganz lieb anboten dass ich bei ihnen schlafen könne!
Leider wollten die Taxifahrer Wucher-Touri Preise, die teilweise so teuer waren wie die sechsstündige Busfahrt von Los Angeles nach Santiago!
Schließlich bot sich ein Fahrer an für weniger als die Hälfte des Preises der anderen zu fahren. Der Mann war richtig lustig! Die ganze Fahrt über hat er sich über seine korrupten, geldsüchtigen Kollegen aufgeregt und konnte gar nicht mehr aufhören zu schimpfen! 
Er war wirklich sehr nett und ich ließ mir seine Nummer geben, für den Fall dass ich nochmal ein Taxi in Santiago brauchen würde.
Pauli und Angelo konnten den günstigen Fahrpreis später kaum glauben!
Als wir ihr Haus endlich gefunden hatten, kam Pauli mit einem Einkaufswagen herausgefahren, in den wir mein Gepäck luden. Sie erklärte mir, dass jedes Stockwerk einen eigenen Einkaufswagen habe, mit dem man dann beispielsweise sein Zeug vom Auto aus der Tiefgarage in die Wohnung hoch bringen kann 
Die beiden wohnen einfach traumhaft im achten Stock einer schicken neuen Wohnung mit Blick über Santiago und auf die gigantische Cordillera, die in dem Moment, als ich auf den Balkon kam vom wunderschönen rot der unter gehenden Sonne in Szene gesetzt wurde!

Eigentlich hatte ich mich drauf eingestellt heute früh ins Bett zu gehen (die letzten Tage haben zu erheblichem Schlafmangel geführt) und habe mich schon auf eine Dusche gefreut!
Da meinte Pauli „Du Katha, wir sind heut Abend zum Grillen verabredet. Ich hab schon gesagt dass du da bist und sie meinten wir sollen dich einfach mit bringen! Sie wissen auch schon dass du Vegetarierin bist und meinten das sei gar kein Problem!“
Ok, Abendplanung verworfen! 
Zusammen haben wir Angelo von seiner Arbeit abgeholt (der sich riesig gefreut hat dass ich mit gekommen bin) und sind einkaufen gefahren.
Die beiden waren einfach so lieb und voll umsorgt: „Katha möchtest du das? Was willst du morgen frühstücken? Brauchst du noch etwas als Proviant?“
Total süß!
Gegen 22 Uhr sind wir dann gegenüber in Angelos Elternhaus (die gerade verreist waren) und haben zusammen mit seinen Brüdern, deren Frauen und einigen Freunden einen netten Grillabend verbracht!
Im Erdgeschoss haben sie die berühmteste und beste Konditorei Chiles (die sogar schon einmal einen Auftrag in den USA hatten!). Es war beeindrucken! Angelo zeigte mir die Verkaufs und Ausstellungsräume, in denen richtige Kunstwerke von Torten zur Schau gestellt wurden! So etwas habe ich vorher noch nie gesehen! Das ist wirklich KUNST!
Er führte mich sogar in die Backstuben, den Dekorationsraum, in dem ich die einzelnen Schritte sehen durfte, wie die kunstvoll und mit Liebe gestalteten Zuckerrosen, Blätterwerk und andere Utensilien Schritt für Schritt hergestellt werden. Eine hat er mir geschenkt!
Anschließend durften Pauli und ich sämtliche Schokoladen und Pralinen probieren und haben alle Schritte, von der Planung, den Back- und Kühlverfahren bis zur Vollendung der Meisterwerke erklärt bekommen!

So gegen 1 Uhr haben wir uns dann wieder verabschiedet. In Pauli und Angelos Wohnung angekommen, saßen wir noch am Wohnzimmertisch zusammen und haben den ganzen Laib Käse vernichtet, den mir Maria zum Abschied geschenkt hatte (weil sie weiß dass ich Käse fürchterlich liebe und einmal als wir bei Kotete waren ihren ganzen Vorrat vertilgt habe ).
Irgendwann um 3 Uhr sind wir dann ins Bett!
Als um 6Uhr morgens mein Wecker zum Aufbruch läutete, wäre ich am liebsten noch geblieben.
Doch Angelo hatte mir am Abend vorher noch liebevoll per Hand einen Plan gemacht, wie ich am besten von der Wohnung zum Bus komme und so machte ich mich leise fertig und verabschiedete mich noch kurz von dein beiden, die unbedingt darauf bestanden haben mich noch mal zu sehen bevor ich gehe.
Außer meinem Wanderrucksack, den ich für die Reise brauchte, durfte ich all mein Gepäck bei ihnen lassen (zum Glück! Freunde sind einfach unbezahlbar!) und sie fanden es auch selbstverständlich dass ich, bzw. wir (Lena und ich) auf jeden Fall vor unserem Rückflug wieder bei ihnen Unterkommen!

Dank Angelos Wegbeschreibung fand ich relativ unkompliziert und schnell zum Terminal (zumal auf der Straße noch kaum eine Menschenseele unterwegs war) und hatte noch ein witziges Gespräch mit einem Israeli, bevor wir in den Bus einsteigen konnten.
Dort saß ich dann neben einem netten aber irgendwie auch merkwürdigen Argentinier, bis wir ca. acht Stunden später endlich in Mendoza ankamen.
Außerdem war der restliche Bus voller fußballfanatischer Chilenen in Trikots, Landesflaggen, blau-weiß-rot angemalten Gesichtern und Tröten!
Na die Chilenische Nationalmannschaft muss sich um Fans jedenfalls keine Sorgen machen!






















Nach einigem Hin und Her fand ich dann schließlich auch das Hostal, in dem Lena am darauffolgenden Tag zu mir stoßen wollte, und konnte mit einigem Handeln einen günstigeren Übernachtungspreis herausschlagen, den ich allerdings mit einer vom Hostal angebotenen Tour verbinden musste.
Da ich keine Lust hatte eine 10stündige Bustour durch die Anden zu machen (da kam ich ja schließlich gerade erst her!) und auch im Reiten nicht sehr erfahren bin, entschloss ich mich zum Paragliding.
Ein Tandemflug. Der Pilot würde mich am nächsten Morgen abholen!
Cool! Das wollte ich unbedingt einmal machen! Und in Deutschland zahlt man einfach gleich mal das Vierfache dafür! Ich hab mich riesig gefreut!
Es war auch tatsächlich gigantisch! Vor mir flog ein älterer Familienvater, der von der gesamten Großfamilie als Fangemeinde begleitet wurde. Schon von unten sah es spektakulär aus!
Als ich schließlich an der Reihe war, fuhren wir zunächst fast 20 Minuten steil hinauf in die Andenausläufer. Ich bekam ein Gestell, wie eine Art Rucksack umgeschnallt, in das gleichzeitig auch mein Fluglehrer verheddert war. Er erklärte mir wir würden jetzt einfach auf den Abgrund zulaufen, und wenn er mir sage ich solle mich setzten, dann solle ich mich einfach zurück in den Rucksack fallen lassen. Gesagt getan! Ich war gar nicht so aufgeregt wie erwartet, eher freudig gespannt!
Schwupp, schon waren wir in der Luft und konnten dank Auftrieb an Höhe gewinnen.
Er erklärte mir, dass in den Sommermonaten so ein Flug bis zu 40 Minuten dauern kann, da die aufsteigenden Winde so stark sind dass es schwierig ist wieder herunter zu kommen.
Wir waren allerdings kaum 20 Minuten im Schwebezustand, da im Winter die Thermiken rar sind und nicht so stark.
Egal! Die Sicht von dort oben war gigantisch! Ungetrübt bei strahlendem Sonnenschein konnte man bis ans Ende des Horizontes sehen. Argentinien ist unwahrscheinlich trocken, kaum Vegetation. Vor allem jetzt im Winter ist der Unterschied zu Chile echt krass. Alle Wolken die vom Meer kommen regnen sich auf der Chilenischen Seite der Anden ab und bringen somit kaum Wasser hier her.
Trotzdem konnte ich auch die schneebedeckten Gipfel der Cordillera sehen, deren Ausläufer von oben betrachtet aussehen wie welliges Pappmache.
Kurz vor der Landung fragte mich mein Pilot ob ich noch Achterbahn fahren wolle. Achterbahn? Ja klar! Und so begann er abwechselnd schnell die Schnüre unseres Schirmes zu ziehen, sodass wir schaukelnd nach links und rechts gewirbelt wurden. Das kommt einer Achterbahn tatsächlich sehr nahe und war eine mords Gaudi!
Wenn ich nochmal die Gelegenheit habe das zu wiederholen, werde ich es auf jeden Fall machen! Einfach nur ein tolles Gefühl so zu fliegen!!!











































































































Mit Lena zusammen, die abends ankam, habe ich dann den nächsten Tag in der Stadt verbracht und Fotos geschossen. Ein besonders witziges entstand an einer Tankstelle, die halt einfach mal auf all ihre Zapfsäulen und sämtliche Anzeigetafeln des Benzins den Vermerk „no hay“ (gibt’s nicht) draufgeklebt hatte! Und das wohl schon seit einer Woche! 

























































































Da unser Plan war von Mendoza aus in den Norden nach Salta zu fahren und von dort aus wieder über die chilenische Grenze in die Atacamawüste, erkundigten wir uns nach Busfahrten und buchten direkt ein Ticket für den nächsten Morgen.
Abends waren wir noch in der Stadt unterwegs um in einer Kneipe das Länderspiel von Chile an zu schauen! (Chile hat 2:1 gegen Mexico gewonnen!)

Am Mittwoch früh traten wir also unsere 22stündige Busfahrt nach Salta an, anstrengend, eng und voller Menschen und schlechter Luft war der Bus. Der Busbegleiter legte spanische DVDs ein, in denen spätestens nach der ersten Minute irgendjemand erstochen, ermeuchelt, erschossen, erschlagen oder sonst wie umgekommen ist. Grauenhaft!
Außerdem bestand das Repertoire der Filmbibliothek aus sagenhaften vier DVDs, die nach Ender der letzten einfach wieder bei der ersten anfingen!
Irgendwie ging die Zeit aber dann doch rum, und wir konnten am nächsten Morgen um halb 6 müde und zerknittert aus dem Bus kriechen.
Die ersten Hostalbesitzer witterten schon Kundschaft, und so war es nicht schwer, schnell eine günstige Übernachtungsmöglichkeit zu finden.
Im Hostal angekommen, waren wir besonders von der Dusche sehr angetan, die uns auch sogleich einigermaßen den Schlaf aus den Gliedern fegte.
Zusammen durchstreiften wir das Zentrum und Herz Saltas, das sich fast direkt hinter unserem Hostal erstreckte!



























































Ich hatte gehört, dass vor allem der „Tren a las nubes“ der „Zug zu den Wolken“ eine Reise wert sei…von dem Lena jedoch nicht sehr begeistert war.
Schließlich einigten wir uns darauf eine Tour im Kleinbus zu machen, der entlang der Strecke des Zuges fährt und sogar noch weiter, dafür aber deutlich preiswerter ist.
Ich war voller Erwartungen, soll die Landschaft um Salta doch eine der beeindruckendsten sein!

Den restlichen Tag verbummelten wir weiter im Zentrum, das übrigens sehr schöne Lädchen vorzeigen kann, und schauten uns abends erneut ein Fußballspiel an. Diesmal allerdings Argentinien gegen Kolumbien, das als Public Viewing auf einer Großbildleinwand auf der Plaza ausgetragen wurde.
Als Gag kaufte ich mir eine Mini-Argentinienflagge, die in einem der vielen extra Fußballzubehör Shops verkauft wurden. Leider ging das Spiel 0:0 aus, obwohl die Argentinier deutlich besser gespielt hatten!
Am 7. Juli ging es dann, wie schon fast zur Gewohnheit geworden, um halb 6 Uhr morgens auf unsere Tagestour durch die nordwestliche Umgebung Saltas.
In einem kleinen Dörfchen kamen wir bei der Bahnüberquerung knapp dem schon gestartete „Tren a las nubes“ zuvor und konnten auf einer steinigen Schotterpiste weiter aufholen, bis wir schließlich an eine Brücke kamen, unter der schon weitere Kleintransporter und Touristen mit griffbereiter Kamera warteten.
Von weitem hörten wir das Geknatter des sich nähernden Dampfzuges und schnell tauchte er auch am Berghang auf, von wo aus er direkt auf die steinerne Brück fuhr.
Er war sehr sehr langsam, was für südamerikanische Züge jedoch nicht ungewöhnlich ist, alle mit denen wir bisher gefahren sind, konnten die 25 km/h Marke nicht knacken. (Und das waren keine historischen Züge!)
Die Passagiere winkten fröhlich von oben herunter, und wir winkten ebenso fröhlich von unten herauf, ohne dabei das Foto machen zu vergessen.

Kaum war der Zug vorbei, hieß es wieder einsteigen. Unser Fahrer was lustig und nett und erklärte und erzählte viel über die Landschaft, deren Bewohner, Flora und Fauna, sodass es nie langweilig wurde.
Die Natur war einzigartig. Felsige Berge in den unterschiedlichsten reliefarten, mal fest, mal bröckelnd, mal grob, mal fein. Plötzlich Kies, ein Fluss. Hier ein paar Bäume, dort Büsche, auf einmal keine Vegetation weit und breit. Die Felsen werden zu sandigen Gebilden, mal wächst ein bisschen Gras. Pferde. Es sieht aus als hätte jemand nassen Matsch aus seiner Faust auf die Erde tropfen lassen- Berge! Nun verändert sich die Flora wieder, Kakteen tauchen auf. Immer mehr.
Wir fahren durch ein Tal, links der Bergkamm gesäumt mit Kakteen, grünen, großen, gerade gewachsen.
Das Tal öffnet sich und es erleuchten Berghänge in den unterschiedlichsten Farbtönen. Von sandfarben, über okker, lehmig, orange, bräunlich und rot schimmert es. Auf einer Bergspitze thront ein Kaktus und scheint das Tal zu überwachen. Halme wiegen sich im Wind.
Wieder müssen wir weiter, leider. Denn nun zieht sich die „Straße“ bergaufwärts und die ohnehin schon karge Vegetation nimmt noch weiter ab.



















































































































































































































In einem kleinen Dorf machen wir Halt. Obligatorisch, denn die Agenturen wollen die Einheimischen unterstützen. In dem Ort leben 17 Menschen. Selbstversorger, die sich jedoch durch den Verkauf von handgemachten Souvenirs an Touristen einiges dazu verdienen.
Die Häuser aus Lehm, Mobiliar aus Kaktusholz, ein sehr leichtes, stabiles und löchriges Holz, das an einen Schwamm erinnert. Außen sind die Bauten weiß angestrichen um die Hitze draußen zu halten.
Es gibt auch ein Museum, in dem eingelegte Schlangen und Frösche in Einmachgläsern stehen. Ausgestopfte Tiere, Samen, getrocknete Blüten, Wurzeln, Pflanzen, Totenschädel, ein Skelett, Bilder, Zeichnungen, Federwerk….alles einfach alles Auftreibbare wurde hier zusammen gepfärcht!
(Getreu dem Motto: Ist das Kunst oder kann das weg?!)












































































































Bei der Abfahrt aus dem Dörfchen kommen wir an zwei großen, ausladenden Fußballfeldern vorbei. Auch unser Fahrer gibt sein Kommentar dazu ab: „Jetzt wohnen in dem Ort nur 17 Leutchen, überwiegend Alte, und dann haben die hier ZWEI Fußballfelder!“ 
Tatsächlich etwas wunderlich!

Höher und höher steigen wir, an die bizarren Felsformationen habe ich mich schon fast gewöhnt.
Wir erreichen den zweithöchsten Punkt der Strecke: Die Abra Blanca auf 4080 Metern Höhe!
Dahinter erstreckt sich eine unendliche Hochlandebene, die dünn von Gräsern besiedelt wird. Das einzige Zeichen der Zivilisation weit und breit ist die vor uns liegende und hinter uns verschwindende Straße.


























































Bis plötzlich, nach einer weiteren Stunde Fahrt, in einem tiefer gelegenen Topf das Dörfchen San Antonio de los Cobres vor uns aus dem Nichts auftaucht.
Ein Ort aus der Vergangenheit scheint dort in einem Dornröschenschlaf vor sich hin zu schlummern. Am Ortseingang begrüßt uns eine Frau auf einer Coca-Cola Reklametafel die aus den 50er Jahren stammen könnte.
Die vielen kleinen Häuser sind liebevoll aus Lehmziegeln aufgeschichtet, doch um den Dorfplatz wird kräftig gearbeitet und gestrichen. Die Kirche ist fein herausgeputzt und schön gestrichen, als sei sie von einem anderen Stern.
Eine eigenartige aber zugleich friedliche Atmosphäre!
Hier machen wir eine Stunde Mittagspause, sodass Lena und ich genug Zeig haben um die Straßen zu durchschländern und ein paar Bilder zu machen, während sich der Rest unserer Reisegruppe schön tourimäßig in dem einzigen Restaurant den Bauch voll schlägt.













































































































































Als es weiter geht begegnen uns vermehrt Lamaherden und Vicuñas die Tiere, deren Wolle noch viel feiner und wärmespendender ist als die der Lamas und Alpakas. Nur alle fünf Jahre schlachten die Eingeborenen ein Tier, da sie in dieser Gegend verehrt werden.
Durch das regelmäßige Geschüttel und Gewackel des Busses fallen mir allmählich die Augen zu. Irgendwann stupst mich Lena an und zeigt mir die weißen Felder in der vor dem Fenster vorbeiziehenden Sandwüste. Salz!
Wir kommen unserem Höhepunkt der Tour immer näher! Der Salar de Arizaro lässt tatsächlich nicht mehr lange auf sich warten. Und schon eine halbe Stunde später setzten wir unsere Füße auf den einzigen Salar Argentiniens, dessen Salz direkt vom Boden essbar ist, ohne vorher irgendwelche Reinigungsprozesse zu durchlaufen!
Salz so weit das Auge reicht! Um den Touristen das traditionelle Salzwaschen vor Augen zu führen wurden am Anfang „Schaubecken“ ausgehoben: rechteckige, ca.40 cm tiefe Löcher, in denen sich Wasser angesammelt hatte, das im grellen Sonnenlicht azurblau schimmert.
Überhaupt strahlt und blendet alles, da die intensive Sonnenstrahlung durch den weißen Boden extrem reflektiert wird, sodass ohne Sonnenbrille gar nichts mehr geht.
Durch die bis zum Horizont reichende, saline Bodenbeschaffenheit können wir ein paar lustige Fotos schießen. Weil das Auge nicht mehr zwischen Vorder- und Hintergrund unterscheiden kann, sehen wir aus wie Zwerg und Riese und es macht uns riesig Spaß unsere Welt zu „erfinden“!
Natürlich haben wir auch vom Boden gegessen  jeder wollte wissen wie das Salz eigentlich schmeckt. SALZIG! Kann ich da nur sagen 























































































































































Länger als eine halbe Stunde dürfen wir auch hier nicht verweilen, da die fehlende Ozonschicht wehr gefährlich werden kann, und so drängt uns unser Leiter alle wieder ins Auto zurück.
Dort bin ich aber noch so aufgedreht, dass ich mit den zwei Mexikanern hinter mir ein echt interessantes Gespräch über die kulinarischen Qualitäten von gegrillte Heuschrecken und Ameiseneier führe, wobei wir unheimlich viel lachen!

Ab und zu steht am Straßenrand eine verlorene Hütte, vor deren Eingang an der Spitze eines hohen Masten eine einzelne Solarzelle angebracht ist.
Unser Fahrer erklärt, dass das ein Modernisierungsprogramm der Argentinischen Regierung ist, das den abgelegenen, autonomen Bauern, zu denen man aufgrund der Entfernung keine Wasser- oder Stromleitungen legen kann, elektrisches Licht bringen soll.
So hat nun die Mehrzahl der Hütten zwar weder Fenster, noch Klo, besteht aus getrockneten Lehmziegeln und Strohdächern, besitzt aber eine eigene Solarzelle.
Ein wirklich abstruser Anblick!

Weiter geht die Straße, nun serpentinenartig bergauf. Plötzlich kommt es zu einer unfreiwilligen Pause, da sich eine Mitfahrerin übergeben muss und wir erst mal warten müssen bis sie sich ausgekotzt hat. Wir sind fast am höchsten Punkt der Strecke: auf 4170 Metern über dem Meeresspiegel, und die Luft ist dünn. Um der Höhenkrankheit vor zu beugen, verteilt unser Guide an alle die mögen Kokablätter, die den Bauch beruhigen und sich positiv auf den Blutdruck auswirken.
Anschließend geht es nur noch berg ab. Der trockene Boden ist stellenweise zu tiefen Schluchten aufgerissen und die sich vor uns auffaltenden Gesteinsformationen sind noch vielfältiger als zuvor.
Im wahrsten Sinne des Wortes: Unbeschreiblich!





























































































Am frühen Abend kommen wir nach………………….., einem wunderschönen kleinen Städtchen, das ebenfalls vom Tourismus lebt. Von hier aus gehen viele Touren ins Hochland, und auf dem offiziellen Pass nach Chile kommt man hier ebenfalls durch.
Auf der Plaza findet ein großer Artesanía Markt statt, den wir uns natürlich anschauen, dann aber mehr Zeit in den versteckten Gässchen herum schlendern und den Cham dieses schönen Plätzchens in uns aufsaugen.







































Es ist der letzte Halt für den heutigen Tag.
Normalerweise ist noch bedeutend viel mehr los, doch da momentan die Grenzübergänge nach Chile wegen zu viel Schneefall geschlossen sind, ist der Verkehr deutlich weniger.
Na toll! Geschlossen!
Wir erfahren, dass es seit neuen Jahren nicht mehr zur Schließung der Pässe kam. Damals vorübergehend für zwei Tage, aus Sicherheitsgründen.
Nun ist die Überfahrt wohl schon seit fast 14 Tagen nicht mehr möglich.
Keiner weiß so recht was Sache ist. Die einen sagen, es würde morgen wieder geöffnet, die anderen meinen, das könne nochmal zwei Wochen so weiter gehen.
Lena und ich sind unsicher. Was sollen wir machen?
Erst mal zurück ins Hostal.
Nachdem wir alle wieder gefunden haben und auch die beiden shoppingfreudigen Mädels wieder beim Bus angekommen sind, fahren wir die verbleibenden vier Stunden zurück nach Salta, wo wir nach einem unglaublich eindrucksvollen und wunder wunder schönem Tag müde und erschöpft in unsere Betten fallen.
Probleme können auch morgen noch gelöst werden!

Am nächsten Morgen haben wir gleich das Busterminal aufgesucht, um genaueres zu der Straßensperre zu erfahren, doch da die Schalter von den Chilenisch-Argentinischen Busgesellschaften alle geschlossen waren, konnten wir nicht viel raus bekommen.
Also haben sind wir nochmal durch die Stadt gebummelt.
Nachmittags hatte schließlich eine der Agenturen geöffnet. Doch wirkliche Infos konnte er uns auch nicht geben. Bis auf unbestimmte Zeit gesperrt eben.
Tja, wir saßen also fest. Nach Chile zu fliegen kam nicht in Frage- viel zu teuer und umständlich, da alle Flüge zuerst nach Buenos Aires gehen, von dort aus nach Santiago und dann weiter nach San Pedro. Fast 24 Stunden unterwegs- NEIN!
Die andere Möglichkeit wäre zwar billiger, aber noch zeitaufwändiger, da wir mit dem nächsten Bus die 22 Stunden zurück nach Mendoza müssten, von dort aus die acht Stunden rüber nach Santiago und dann 24 Stunden bis in die Atacamawüste. Auch NEIN!
Wir beschlossen also die verbleibenden sechs Stunden bis nach La Quiaca zu fahren, der nördlichsten Grenzstadt Argentiniens zu Bolivien, und anschließend von Bolivien aus die Kurve nach Chile zu machen.
Unsere sieben Sachen waren schnell wieder im Rucksack verstaut und am darauffolgenden Tag standen wir im Busterminal und fanden auch gleich einen Bus nach La Quiaca, der 20 Minuten später los fuhr.

In La Quiaca mussten alle Weiterreisenden aussteigen, durch die Stadt laufen und am Ende die „Grenzbrücke“ nach Bolivien zu Fuß überqueren.
Es war unangenehm. Überall saßen bettelnde alte Frauen, teils mit Kindern. Direkt hinter der Grenze waren Wechselstuben, in der uns ein bekiffter Opa anlaberte. Eine schnurgerade Straße, links und rechts vollgestopft mit billig Spielzeug, Plastikeinrichtungsgegenständen und voll unhygienisch gelagerten Nahrungsmitteln. Es dämmerte schon und wurde schnell finster. Alles war eng und voll. Das erste mal hab ich mich unwohl gefühlt. Auch Lena war plötzlich ganz still und wir gingen schweigend nebeneinander immer weiter, bis wir das Busterminal von Villazon fanden.
Auch dort total viele Leute, unübersichtliche Angebote und uns komisch anschauende Leute.
Zunächst waren wir unentschlossen. Die Nacht über hier bleiben? Aber wo? Und sind wir dann sicher?
Wir haben uns schließlich dafür entschieden einen Bus nach Tupiza zu nehmen, ein Dorf, das nur etwa 90 km weiter liegt. Immerhin jedoch 90 km und zwei Stunden weniger Fahrt für den nächsten Tag. Chile wir kommen!
Zuerst wurden wir jedoch von einer Polizeieskorte gestoppt, die illegale Einwanderer und Schmuggler suchten, die gerade jetzt in der Dunkelheit vermehrt aktiv sind.
Nach Gepäck – und Passkontrolle durften wir weiter fahren.
Die unbefestigte fast nur aus Staub, Steinen und Schlaglöchern bestehende Piste, die mal so weit nach links, mal so weit nach rechts geneigt war, dass man das Gefühl hatte fast um zu kippen, ließ jedoch nur geringe Geschwindigkeit zu.

Ich saß am Fenster und konnte den Wüstennachthimmel bestaunen. Gigantisch! Der Mond schien hell und der Sand reflektierte das Licht, sodass die in der Sonne vertrocknet aussehende Landschaft, zu unglaublicher Schönheit erwachte. Das dicht besäte Sternendach glitzerte und funkelte am schwarzen Firmament um die Wette und ich musste vor Staunen den Atem anhalten.

Plötzlich hielt auch der Fahrer an.
Wir steckten mitten in einem aus massivem Fels gesprengtem Loch, gerade mal 10cm breiter als unser Bus und hatten Gegenverkehr, der ebenfalls schon mitten im Berg steckte.
Lebensmüde fuhr unser Fahrer sein monströses Gefährt rückwärts.
Auch die Bolivianischen Mitfahrer, die eigentlich die ganze Fahrt über mit Nasehochziehen und auf den Fußboden spucken beschäftige waren, stellten ihre Tätigkeit für einen Moment ein.
Wären wir irgendwo angestoßen, hätte der poröse Stein um uns einfach zusammenbrechen können.
Aber der Fahrer schien so etwas nicht das erste mal gemacht zu haben.

Weiter ging es! In Tupiza angekommen stiegen wir außerhalb des Terminals aus, an einer hohen Mauer. Wieder viele Leute, die sich jedoch schon ein paar Meter weiter schnell verloren.
Wir wollten nicht mehr weit laufen, es war schon halb zehn und ein Bett war das einzig nötige!
Direkt um die Ecke fanden wir ein Hostal. Ein kleines Mädchen machte uns auf und zeigte uns die Zimmer. Man merkte deutlich dass sie das öfters tat. Wir waren unverkennbar die einzigen Gäste, aber sie gab vor kein Doppelzimmer mehr zu haben. Stattdessen könnten wir ein Dreibettzimmer haben, natürlich teurer.
Aber das war auch schon egal. Wir wollten sie nicht bequatschen und angesichts dessen, dass wir trotzdem jede nur umgerechnet 1.50€ zahlen mussten, die der Familie vielleicht helfen, breiteten wir uns also im Dreierzimmer aus.
Allerdings gab es weder Schlüssel noch Schloss, d.h. eine von beiden musste immer im Zimmer bleiben. Aber wir hatten ja eh nicht mehr vor noch weg zu gehen.

Am nächsten Morgen wollte ich raus. Doch es war niemand da. Also versuchte ich gegenüber zum Busterminal zu gehen und heraus zu finden, wann der nächste Bus Richtung Chile abfuhr.
Doch alle Türen waren verschlossen. Schließlich fand ich eine Hintertür, die in einem großen Tor eingebaut, direkt auf die Straße führte.
Am Terminal erkundigte ich mich also gleich nach Bussen.
„Wie du willst nach Chile? Da fährt nix hin, die Grenzen sind zu!“
Oh man, toll! Wir hatten extra versucht das vorher übers Internet raus zu bekommen, aber das geht immer alles nur vor Ort. Und vor Ort geht in dem Fall eben nix!
Außerdem müssen wir alle Pasajes (Fahrten) hier in Bolivianos zahlen, von denen Lena und ich leider nicht mal mehr genügend hatten, um zurück nach Villazon zu kommen.
Nachdem ich sieben verschiedene Leute auf der Straße nach einem Bankautomaten gefragt hatte, und sieben mal in eine andere Richtung geschickt worden bin ohne jedoch auch nur etwas ähnliches zu finden, stieß ich eine Dreiviertelstunde später auf eine geschlossenen Bank, die erst in einer halben Stunde öffnete.
So lange konnte ich Lena aber nicht warten lassen. Da unsere chilenischen Handys im Ausland nicht funktionieren, ging ich wieder zurück.
Die Hintertür war mittlerweile wieder zugefallen (obwohl ich sie extra nur angelehnt hatte) und ich konnte nicht mehr hinein.
Der Tag fing also schon super an!
Als ich endlich doch drinnen war, war Lena schon deutlich genervt von der Warterei in dem Kabuffzimmerchen und wolle sich auch mal die Füße vertreten. Also ging sie zur Bank und kam schließlich mit ausreichend Bolivianos zurück.
Wir zahlten die Übernachtung und buchten wohl unter Übel die lange Rückreise nach Salta. Der Mann am Schalter war schon etwas komisch, da er mehrmals betonte er korrespondiere mit dem argentinischen Busunternehmen. Wir hätten in Villazon eine Stunde Zeit zum Umsteigen und könnten dann von La Quiaca direkt durch bis Salta.

Unser Bus stand schon bereit und wir verluden unser Gepäck. Irgendwann (zur Abfahrtszeit) tauchte dann auch der Busfahrer auf, dessen etwa achtjähriger Sohn zuvor auf dem Beifahrersitz herumgeturnt ist und den einsteigenden Passagieren die Tür aufgehalten hatte.
Doch Anstalten ein zu steigen machte er nicht.
Fast eine halbe Stunde unterhielt er sich mit irgendwelchen Leuten. So langsam wurde unsere Umsteigezeit echt eng.
Als wir schließlich doch los fuhren, wurde unsere Fahrt außerplanmäßig unterbrochen. Der Bus hatte kein Kühlerwasser und der Sohn des Fahrers schüttete in kurzen Abständen aus vergammelten Colaflaschen ständig dreckiges Wasser in die Motorhaube.
Da die beiden Flaschen nicht unbegrenzt Wasser ausspucken können ohne aufgefüllt zu werden, mussten wir noch drei weitere male halten.

Wie durch ein Wunder fanden wir uns schließlich doch in Villazon wieder. Wir schnappten unsere Rucksäcke und rannten in Richtung Grenzübergang.
Weit kamen wir jedoch nicht, denn eine ewig lange Menschenschlange türmte sich davor!
Mist! Unser Bus fuhr in 10 Minuten! Wir quetschten uns an der riesigen Reisegruppe vorbei und die Reiseführerin war tatsächlich so lieb uns vor ihr noch den Aus- und Einreisepapierkram machen zu lassen.
Dann schnell weiter. Plötzlich ruft mich ein Polizist zurück- Gepäckkontrolle!
Die Argentinier sind echt gut! Rucksack hinlegen: er macht den ersten Verschluss auf, oben ist der Rucksack noch zugezogen. „Hast du was zu verzollen? Essen? Oder nur Kleider im Rucksack?“
Natürlich hab ich Essen dabei, du Heini, denkst du ich ess das Zeug, das ihr hier verkauft?! – „Nee, nur Klamotten drinnen“, versichere ich. „Ok, gut, du kannst weiter!“
Verschwitzt kommen wir am argentinischen Terminal an. Zu spät natürlich, doch die Argentinier sind eben auch Südamerikaner, und der Bus war noch nicht mal angekommen.
Wir müssen allerdings unsere Fahrkarte noch in Sitzplatzreservierungen umtauschen, was ich erfahre als ich nach unserem Bus frage. Davon hatte der Bolivianer nämlich nichts gesagt.
Die Frau ist sehr hilfsbereit und freundlich, teilt uns jedoch mit, dass der Bus, für den wir die Fahrkarte haben schon bis auf den letzten Platz ausgebucht ist.
Wie kann denn das sein? Wenn wir doch auch gebucht haben?!
Der Bolivianer hat halt einfach das Geld eingesteckt, ohne sich auch zu versichern, dass wir die Fahrt tatsächlich antreten können.
Es war einfach nichts zu machen. Wir mussten nochmal drei Stunden warten.

Das kleine, sich im Freien befindende Terminal war jedoch echt abenteuerlich.
Auf den widerlich stinkenden Toiletten spuckten, rotzten und kotzten die Leute nur so was das Zeug hielt mitten auf den Boden.
Der Gepäckraum der abfahrenden Busse wurde so voll gequetscht, dass die Klappen teilweise gar nicht mehr schlossen. Auch oben waren die Sitzenden so eingepfärcht zwischen ihren Einkäufen, dass kaum mehr Platz zum atmen blieb! Ein lustiges Spektakel!
Als unser Bus dann endlich vor fuhr, verging mir das Lachen jedoch schnell.
Schon der erste Schritt hinein, ließ mich fast wieder rückwärts raus stolpern. Ein Mief aus Schweiß und verbrauchter Luft füllte im Inneren alles unerbärmlich aus.
Wir saßen zusammen mit viiiiiiiiiiiieeeeeeelen Bolivianern (die wirklich keinen angenehmen Körpergeruch haben), Unmengen an Plastikspielzeug, Kunstoffküchenutensilien, Polyester Kunstfaser Decken und sämtlichen illegalen Gegenständen wie eingebaut in unseren Sitzen.
Die Bolivianer, die ihre Verwandten in Argentinien besuchen, oder selbst dort leben, hatten billig eingekauft. Das ist wie der Tschechenmarkt bei uns. Alles billiger!

Der einzige Haken ist, dass die Polizei die Busse kontrolliert und man pro Person nur eine bestimmte Menge an Ware einführen darf. Eine Frau, die sehr verzweifelt wirkte, bat mich, zwei ihrer Decken als meine aus zu geben.
Als wir zum Kontrollpunk kamen, standen wir fast eine halbe Stunde. Wieder Passkontrolle. Ihre Decken lagen zwischen meinen Beinen. Aber niemand ging darauf ein.
Dann fuhren wir weiter.
Plötzlich schrien einige hinten sitzende Fahrgäste aufgeregt durcheinander. Unser Bus war so voll bepackt, dass eine der unteren Ladeklappen aufgesprungen war und wir Gepäck verloren hatten! 
Nachdem die Sache geklärt war, wurden auch in dem Bus irgendwelche gewalttätigen Filme gezeigt, und das obwohl mehrere Kinder unter uns waren!
Zwischendurch war immer irgendwo im Bus ein Bolivianer dabei seinen Rotz auf den Boden zu spucken und dabei ein eklig penetrantes Grunzgeräusch zu erzeugen.

Zwei mal mussten wir umsteigen und konnten während eines Aufenthaltes direkt eine Weiterfahrt in das zu dem Zeitpunkt noch 26 Stunden entfernte Mendoza buchen!
Während das Busfahren anfangs noch lustig war, wurde es immer mehr zu einer Meditationsübung. Die von vorne bis hinten und hinten bis vorne immer gleichen Filme voller Gewalt, die verbrauchte Luft, dauernd sitzen…..zum Glück hatte ich ein echt interessantes Buch dabei. Es entstanden ein paar lustige Fotosessions und wir hatte viel Zeit nach zu denken über alles mögliche.


















































Irgendwann schließlich waren wir in Mendoza. Durch die Copa America war jedoch NIRGENDWO ein Schlafplatz auf zu treiben. Einfach nichts. Wir beschlossen also am Busterminal auf irgendeiner Bank zu schlafen. Auf den Klos gab es eine relativ günstige Duschmöglichkeit und obwohl es dort drinnen sau dreckig war, fühlten wir uns anschließend doch wieder wohlig sauber 
Je später es wurde, um so weniger Leute waren noch zu sehen. Polizisten liefen Streife und achteten genau darauf, dass sich niemand auf die Bänke legte. Man durfte nur darauf sitzen. Erst zwischen 0 und 4 Uhr durfte man liegen und schlafen, danach musste man wieder sitzen. So ein Humbuck!














Also bin ich so gegen 5Uhr wieder Richtung Toiletten gewandelt und höre hinter mir eine Gruppe Jungs kommen. „Sipo, claro, cachay huevon?!“ Chilenen!!! Und als sie überholten hatten alle die Nationalfahne um die Schultern gehängt. Ein richtig heimisches Gefühl! Total schön! Chile, ich komme!
Kurz nach 8 Uhr fuhr dann auch tatsächlich unser Bus ab. Bis zur Grenze verlief alles gut, doch dort angekommen waren wir nicht die einzigen Heimreisenden. Vor uns noch sechs andere Busse. Da die Chilenen im Gegensatz zu den Argentiniern in Sachen Einreisekontrolle etwas genauer sind, hatten wir gute zwei Stunden Zeit über die Schneebedeckten Gipfel zu blicken und uns an einem kleinen Kiosk irgendwelche Süßigkeiten zu kaufen.
Nach der Gepäckkontrolle fiel mir auf, dass ich in den Seitenfächern meines Rucksacks noch ein paar Kokablätter vergessen hatte. Oh man ich Dussel! Zum Glück hat das dieses Mal niemand bemerkt!

Nachmittags waren wir dann endlich in Santiago und erkundigten uns sogleich nach dem nächsten Bus nach San Pedro. Tatsächlich gab es noch wenige freie Plätze in der späten Nacht, sodass wir die Zeit noch im Internet verbringen konnten, und unserem Hostalbesitzer mitteilen konnten, wann wir in San Pedro ankommen, da er uns abholen wollte.

Dann „durften“ wir wieder sitzen. Als ich am nächsten Morgen aufwachte, waren wir schon mitten in der Wüste! Ich hegte die leise Hoffnung nicht mehr lange fahren zu müssen, doch die 24 Stunden in den Norden verkürzten sich dadurch leider nicht…..überraschenderweise hatte der Busbegleiter jedoch einen ausgesprochen guten Filmgeschmack, und so sahen wir „Karatekid“, „Der Teufel trägt Prada“ und noch zwei andere gute Filme, deren Namen ich mir nicht merken konnte.
Die eintönige Sandlandschaft zog am Fenster vorbei, und plötzlich musste ich total lachen, weil mitten in der Wüste an einer einsamen, schnurgeraden geteerten Straße ein riesen großes Reklameschild für Pfauenwurst stand. Einfach so, mitten in der Pampa! 
Eigentlich echt ne gute Promotion, da ist man wenigstens nicht so reizüberflutet wie bei uns, wo immer überall irgendwelche Schilder und Werbeplakate angebracht sind und man vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr erkennt! 

Den letzten Umstieg hatten wir in Clama, wo wir im neuen Bus ein paar nette Australier kennen lernten, die noch nie ein Erdbeben gespürt hatten und uns voll interessiert darüber ausfragten.
Dann riefen wir sicherheitshalber nochmal Roberto, unsern Hotalfutzi an.
Irgendwann zwischen 21 und 22 Uhr stiegen wir dann schließlich in San Pedro aus dem Bus.
Geschafft!
Eine einzelne Frau lief am Busterminal auf und ab und suchte Übernachtungsgäste für ihre Herberge. Wir lehnten dankend ab, da wir ja auf Roberto warteten.
Doch der wollte und wollte nicht auftauchen. Um die Uhrzeit hatte natürlich auch keine Touriinfo oder sonstiges auf, in der wir an einen Stadtplan herankommen würden.
Irgendwann waren wir die einzigen Menschen auf dem großen Busparkplatz, und auch die Frau, die leider vergeblich um Gäste geworben hatte, wollte sich gerade auf den Heimweg machen, als sie uns stehen sah. „Auf wen wartet ihr denn?“ – „Auf Roberto.-„ –„Auf Roberto? Ach, da könnt ihr lange warten, Chile hat gerade eben 1:0 gegen Peru gewonnen, der ist bestimmt voll am feiern und hat euch einfach vergessen. Nehmts nicht persönlich, das ist ein ganz lieber Chaot. Kommt, wir kennen uns doch alle hier und helfen einander, ich bring euch hin!“
Wir verluden unsere Rucksäcke in ihren Kofferraum und die Frau (ich glaube Maria war ihr Name) setzte uns direkt vor unserem Hostal ab, ließ es sich jedoch nicht nehmen Roberto persönlich damit zu foppen, dass er seine Gäste am Terminal stehen lässt. Total amüsant, davor steckte sie uns noch, dass er schwarze lange Haare bis zur Brust hat, was wir uns nur schwer vorstellen konnten. Maria klingelte so lange, bis seine Mutter zur Tür kam und ihr sagte ihr Sohn sei bei den Nachbarn. Also stiefelte sie zur Tür nebenan 
Roberto War total freundlich und nahm das ganze sehr gelassen hin- ein echter CHILLene eben 
Er gab uns ein Doppelzimmer (obwohl wir eigentlich preislich in ein Mehrbettzimmer hätten gehen müssen) und meinte wir sollten uns erst einmal ausschlafen, alles weitere besprechen wir morgen.

Nach dieser Marathonreise von 110 Stunden Busfahrt (also insgesamt seit Los Angeles) fielen wir, überglücklich endlich wieder in einem richtigen Bett schlafen zu dürfen, wie Steine in unser Doppelbett und hatten eine super erholsame Nacht! (Obwohl ich bei jeder Drehung Lenas, die das Bett gehörig zum Wackeln brachte, immer zuerst dachte es gäbe ein Terremoto, bis ich mich beruhigen konnte, das so weit nördlich eigentlich gar keine Erdbeben mehr vorkommen )

Bei strahlendem Sonnenschein traten wir morgens von unserem Zimmer direkt in den kleinen aber sehr gemütlich mit zwei Hängematten und rustikalen Holztischen bestückten Hinterhof. Alle Zimmer, sowohl Bäder als auch Küche führten direkt in den Hof, der rund um liebevoll mit einem auf Holzbalken abgestützten Strohdach umsäumt war. Die Hostalkatzen räkelten sich in den Hängematten oder auf der Bank und nutzten jede Gelegenheit sich bei offenen Zimmertüren in die vorgewärmten Betten zu schleichen. Auch Lena bekam kuscheligen Besuch 









Nach dem Frühstück besuchte uns Roberto, der mit seinen langen Haaren optisch total nach Peru passen würde, und entschuldigte sich nochmal für den Abend zuvor. Normalerweise passiere ihm so etwas nie, aber normalerweise gewinne Chile ja auch nicht , meinte er.
Er sagte er würde jetzt in die Stadt fahren, ob er uns mitnehmen solle, oder ob wir etwas brauchen würden. Aber wir bevorzugten es in das kleine Städtchen zu spazieren, das durch seine Lehmziegelhäuser und das viele Kaktusholz einen unheimlichen Scham versprühte. San Pedro ist sehr touristisch, aber dennoch einfach wunderschön!
Direkt gegenüber von unserer Haustür zum Hostal wurde der Vulkan Licancabur, der Schutzpatron San Pedros, der 5920 Meter noch ist von der Sonne in Szene gesetzt.
Auf dem Marktplatz verkaufte ein witziger Mann seine „Bio-Oliven“, selbst gebackenes Brot, abgepacktes Vollkornschwarzbrot (seeeeeeeeeeehr touristisch!), leckeren Käse, Nüsse, eingelegtes Gemüse, Hafertaler und andere Leckereien. Auf seiner löchrigen Jeans standen, mit dickem Edding geschrieben, durcheinander Vokabeln und Sätze in fremden Sprachen, hauptsächlich auf Deutsch. Und tatsächlich sprach Pedro recht gut Deutsch, zumindest so, dass er sich innerhalb seiner Branche recht gut verständigen kann!
„Main Anchääänker ist diregt nebben den Fridhoff.“ (Mein Anhänger ist direkt neben dem Friedhof.)
Bitte, Danke, Hallo, wie geht’s und das ganze Smalltalkzeugs hatte er echt gut drauf!
Wir unterhielten uns eine Weile mit ihm und durften alle möglichen Dinge probieren. Dann gingen wir weiter Richtung Zentrum. Viele kleine aneinander gereihte Lädchen, die ihre kunterbunten Stoffe, Kleidung, Alpacasocken, Jacken, Artesanía, Holzgegenstände, Grippenfiguren und sonstige typischen Produkte verkauften wirkten geradezu magnetisch auf uns, und wir verbrachten etwa zwei Stunden einfach nur mit gucken! 
Eigentlich hielten wir nach einer Agentur für Sandboarding ausschau, von denen es gleich mehrere gab. Wir wollten unbedingt mit dem Snowboard die Dünen runter fegen, am liebsten sofort! Mit ein bisschen Preisverhandlung hatten wir schnell einen Platz in der Ausfahrt am Nachmittag, auf die ich mich schon riesig freute!
Zusammen mit ein paar Kanadiern, einem Franzosen, Belgiern, nem Mädchen aus Costa Rica und unserer südafrikanischen Gruppenleiterin gings dann um Punk 15 Uhr auf in Richtung Sanddünen vor der Stadt.
Zu Fuß, mit dem Brett und einer Kerze in der Hand stapften wir im Gänsemarsch die Dünen hoch, gar nicht so leicht in dem weichen Sand kann ich euch sagen!
Oben auf dem Kamm angekommen, gabs eine kurze Einweisung, dann mussten wir das Board wachsen (mit der Kerze), um besser rutschen zu können. Anschnallen und auf gings!
Unten stand ein anderer Guide, der uns mit seiner Kamera fest hielt.
Es war einfach super witzig. Manche kugelten sich den Berg hinunter, überschlugen, machten Bauchlandungen oder blieben einfach nur so mit dem Board mitten im Sand stecken und kamen weder vor noch zurück.
Meine erste Abfahrt brachte ich souverän hinter mich, selbst Kurven oder Schuss waren kein Problem…………bis mich Lena dazu überredete Sprünge zu versuchen.
Ab da landete ich regelmäßig kopfüber im Sand und fühlte mich irgendwann wie ein paniertes Schnitzel. Sand in den Haaren, den Augen, den Schuhen, Socken, sogar in der Unterwäsche! Einfach alles alles alles voller Sand!  Aber eine mords Gaudi, der Hammer!
Um 17 Uhr durften wir die letzte Abfahrt machen, denn dann war die Sonne schon hinter der Düne verschwunden und es war geplant den Sonnenuntergang über der Weite der Valle de la Luna (des Mondtals) an zu schauen. Das Tal heißt deswegen so, weil man sagt seine Oberflächenstruktur ähnele der des Mondes………….naja, das kann ich jetzt nicht beurteilen, ich war bisher noch nicht auf dem Mond! Aber das Tal war schön!
Rot reflektierte der Sand die Abendsonne, und gegenüber über den schneebedeckten Wipfeln der Cordillera ging strahlend hell der Mond auf.
Ein zauberhafter Moment!
Zu dem wir feierlich ein Cristal Weizen tranken (bähhh!) 






























































































Als die Sonne vollständig untergegangen war und wir ausreichend Erinnerungsfotos geschossen hatten, wurden wir wieder zurück gefahren, und konnten uns noch die Fotos unserer Abfahrten auf nen Stick ziehen, von denen leider keine mehr übrig sind, da der Computer einen Virus hatte…..

Den nächsten Tag verbrachten wir noch mal im Städtchen und buchten einige andere Reisen. Ich hatte beim Boarden am Vortag eindeutig zu viel Sonne ab bekommen. Durch die fehlende Ozonschicht und meine ebenfalls nicht vorhandene Kopfbedeckung, war mir teilweise richtig schwindelig, sodass wir einen ruhigen Tag mit einer Tour am Nachmittag ins Valle de la Luna und das Valle de la Muerte (das Todestal) genossen.
Wie vielseitig so eine Wüste allein durch die unterschiedlichen Gesteins und Reliefformationen sein kann! Ab und zu schimmerte und glitzerte der Boden, als sei er von tausenden Wasserpfützchen übersät. Bei näherem Betrachten stellten wir jedoch fest, dass es sich um eingewachsene Salzkristalle handelte, die im Sonnenlicht blendend aufblitzten!




































































































































Früh am darauffolgenden Morgen wurden wir abgeholt, um einen Ausflug zum Salar de Atacama zu machen, ein riesiges Naturschutzgebiet, in dem zwei unterschiedliche Arten Flamingos leben, sowie einige andere Vögel und Wüstenmäuse! 
Zusammen mit einer brasilianischen Familie, deren Portugiesisch in unseren Ohren teilweise russisch, dann französisch, mal spanisch und schließlich norwegisch klang, und einem engländischen Ehepaar, sowie einem anderen Deutschen, erfuhren wir einiges über die Entstehung des Salars, die Flamingoarten, Flora und Fauna der Wüste, und konnten einen kleinen Rundgang durch das scharfkantige Salzkristallgesteinfeld machen.












































































































































































Auf dem Rückweg machten wir in einem kleinen Dorf halt, in dem es sich Lena zur Aufgabe machte sämtliche Haustüren zu fotografieren 



















































































Einige der Häuser hatten mit Ziegenhaut bespannte Fenster, die die Räume dahinter abdunkelten und die Hitze draußen lassen sollten. Eine Oma spann und webte auf einem großen Webstuhl bunte Teppiche. Doch das ganze gehörte zur Führung mit dazu und wirkte auf uns sehr gestellt, sodass wir es vorzogen die kleine Kirche, deren Innenausstattung ausschließlich aus Kaktusholz bestand, zu besuchen. Die dicken weißen Mauern ermöglichten im Inneren eine angenehm kühle Temperatur und das schlicht gestaltete Kirchenschiff wirkte einladend.
Lang hatten wir jedoch keine Zeit, da unser Führer uns noch die Gartenanlagen des Örtchens zeigen wollte, die durch ein aufwändiges, sich hundertmal verzweigendes Kanalsystem bewässert werden.









































































































































































Gegen Mittag waren wir schließlich schon wieder in San Pedro- und, jaaaaaa wir bummelten noch einmal durch die bunten, engen Gässchen.
Ich erstand „Kokamehl“ aus gemahlenen Kokablättern und Kiwichagetreide , das ich fortan unter mein Joghurt mischte und das ungewöhnlich, aber lecker schmeckte!
Wir nutzten die Zeit und gönnten uns den Luxus unsere Klamotten bei einer Wäscherei ab zu geben, da sich in den Tagen doch so einiges angesammelt hatte, und Waschbeckenhandwäsche im Hostal zu viel Wasser verbraucht hätte.

Auf den dritten Tag freute ich mich schon sehr, denn wir hatten eine Tour zu den Salzlagunen, deren Salzgehalt fünf mal höher ist als der des Meeres, wodurch man ohne jede Anstrengung einfach oben auf dem Wasser liegen kann!
Doch der Sonnenstich vom Boarden wurde irgendwie immer schlimmer, sodass ich mich schon auf dem Hinweg über die holperige, hubbelige, von Schlaglöchern geprägte Sandstraße quer Feld ein beherrschen musste, mich nicht zu übergeben.
Nach einer Stunde Fahrt kamen wir endlich an. Eigentlich konnte ich es kaum erwarten aus dem Auto raus zu kommen, doch der eisige, starke Wind, der uns entgegen kam, konnte mich nicht so richtig überzeugen. Ich zitterte jetzt schon am ganzen Körper und fühlte mich richtig krank. Am liebsten hätte ich mich einfach in eine Decke gemummelt und geschlafen. Aber ich war an den Salzlagunen! Und ich WOLLTE unbedingt wissen, wie es sich anfühlt auf der Wasseroberfläche zu schwimmen. Ich hätte mich so geärgert es nicht gemacht zu haben. Da half nichts!
Lena machte den Anfang. Das Wasser musste kalt sein, denn sie streckte erste vorsichtig ihre Zehen hinein. Ich schoss ein paar Fotos, doch lange dauerte es nicht, bis sie bibbernd vor Kälte wieder heraus kam.
Nun war ich an der Reihe. Brrrrrrrrrrrr! Das Wasser war eisig. Zu schnell durfte man nicht laufen, da der Boden von einer Salzkruste überzogen ribsige Stellen hatte, auf die man vorsichtig treten musste.
Ich holte tief Luft und legte mich rein. Kurz die Hände und Füße in die Luft gestreckt, den Kopf über Wasser halten, da das Salzwasser tierisch in den Augen brennt und es keine Möglichkeit zum Abduschen gab, und dann war ich auch schon wieder draußen.
Im Nachhinein weiß ich nur noch dass ich es ganz toll fand, kann mich aber leider nicht mehr genau an das Gefühl des „Schwebens“ erinnern.



















































































Danach ging es für mich Berg ab. Die beiden „Blauen Augen“, zwei runde Wasserlöcher, die blau strahlen, da das Wasser ca. 25 Meter tief ist, konnte ich kaum noch genießen, und der anschließende Sonnenuntergang, den wohl jede Touriagentur vermarktet war ungeduldiges Warten.















































Auf dem Heimweg hielten wir nochmals an, um zu beobachten wie in der Schwärze der Nacht der Mond am Firmament aufsteigt. Ein tatsächlich faszinierendes und seltenes Schauspiel, das ich jedoch nur im Halbschlaf mit bekam.
In San Pedro angekommen, konnte ich kaum aus dem Bus aussteigen und nur schwer auf den Beinen halten. Eine mitreisende Krankenschwester gab mit den Namen eines Medikamentes, das gegen Übelkeit und Schwindel hilft, und Lena und ich machten uns auf, eine Apotheke zu suchen.
Eine Stunde später waren wir schließlich zu Hause (im Hostal) angekommen, eine Strecke, für die wir normalerweise 15 Minuten brauchen………..
Die Tabletten machten müde, und so war ich schnell eingeschlafen.

Den gesamten nächsten Tag verbrachte ich schlafend abwechselnd zusammen mit einer Katze in der Hängematte des Innenhofes oder im Bett.

















Lena nutzte die Zeit, um sich die Pukará (Festung) von Quitor an zu schauen, die ca. zwei Kilometer vor San Pedro liegt und aus Ruinenresten besteht.
Total begeistert kam sie zurück und zeigte mir unzählige Bilder, sodass ich auch riesig Lust bekam, die Stätte zu besichtigen.
Abends ging es mir dank Tabletten zumindest so, dass wir zu einem gemeinsamen Abschiedsessen nach San Pedro rein laufen konnten, und nebenbei das Fußballspiel Argentinien- Uruguay an zu schauen, das im Hof des Restaurants auf Großbildleinwand ausgestrahlt wurde. Einer der Kellner war aus Uruguay, und so fieberten irgendwie alle Gäste mit ihm mit.
Zurück im Hostal nahm ich sicherheitshalber noch eine letzte Tablette und schlief wie ein Baby.

Eigentlich hatten wir für den nächsten Tag eine um 4 Uhr früh beginnende Tour zu den Geysiren von Tatio geplant, die auf 4280 Metern liegen, und wo aus total vereistem Boden kochend heiße Wasserfontainen schießen.
Durch die immer noch andauernde Sperre fiel dieses Ereignis allerdings flach, und wir beschlossen lieber aus zu schlafen, noch einmal nach Quitor zu laufen und nachmittags dann den Rückweg nach Santiago an zu treten.
Beim Frühstück beschwerte sich Lena dass ich im Schlaf geredet hätte. Ich hab sie wohl angestoßen und ihr gesagt ich könne nicht schlafen, weil ich die Nacht und den Tag davor schon über 15 Stunden geschlafen hätte.  Dabei hätte ich mich umgedreht und weiter geschlummert, während wie ewig wach lag 

Der Fußweg nach Quitor war schön und amüsant. Ich lief jetzt ausschließlich nur noch mit Kopfbedeckung rum- einen weiteren Sonnenstich konnte ich nun wirklich nicht gebrauchen. Der Pfad führte direkt auf einen in Meandern verlaufenden Fluss zu. Viele versuchten vergeblich trockenen Fußes über das Wasser zu kommen, doch nass wurden sie alle. Alle außer uns, da Lena wusste, dass keine 100 Meter weiter ein kleiner Steg auf die andere Seite führte.
Hinter einem Gebüsch stand ein ausrangiertes Klo. Einfach so mitten in der Wüste- verlockend zum Bilder schießen !
Wieder kamen wir direkt aufs Wasser, wo ein paar Pferde mit Reitern darauf sich freudig in den Fluten räkelten (nicht so sehr zu Freude der Reiter) und ein Jeep trotz Allradantrieb stecken geblieben war.
Einige wollten umdrehen, die Schuhe ausziehen um auf die andere Seite zu kommen, von wo aus sie das Wasser abermals hätten überqueren müssen.
Gut dass Lena schon einmal die Strecke gelaufen war, man konnte nämlich einfach dem Ufer folgen und so von hinten direkt auf die Ruinen zusteuern!





































































































































Da wir recht früh dran waren, war noch nicht sehr viel Betrieb. Dennoch tummelten sich einige Besucher zwischen den verfallenen Mauern.
Etwas weiter abseits des Zugangs zu Quitor, gab es einen unscheinbaren Aufstieg zu einem viel höher gelegenen Aussichtspunkt, von dem aus man von Oben auf die Bauüberreste blicken konnte und noch höher durch das ganze Valle de la muerte.
Um nicht doppelt laufen zu müssen entschieden wir uns spontan für den Aussichtspunkt. Über Staub und Geröllfelder ging es nach oben, bis sich schließlich sogar ein vorgetrampelter Weg erkennen lies.
Wow! Der kleine Fluss, der sich bis San Pedro schlängelte war von oben gesehen von grünen Gräsern und wenigen Bäumen umgeben. Doch schon wenige Meter weiter außen war keine Vegetation mehr zu erkennen. Sand, Steine und nochmals Sand.
Lenkte man den Blick über das Tal, wo die Sonne in den reliefstarken Dünen ihre Schatten warf und alles noch viel plastischer aussah, blieb einem vor Staunen einfach der Mund offen stehen.
Am Horizont ragten wieder die schneebedeckten Berg- und Vulkanspitzen, besonders der Vulkan Licancabur mit seinen 5920 Metern in den Himmel.
Unglaublich schön!
Unter einem Strohdach stand ein Tisch mit zwei Stühlen, an dem tags zuvor laut Lena zwei Frauen Karten gespielt hatten.
Heute waren wir die einzigen hier oben.
Leider blieb uns nicht allzu viel Zeit, da wir ja wieder zurück und dann zum Terminal mussten.
Aber dennoch war das ein gebührender und richtig toller Abschluss!































































































































































































Roberto fuhr uns samt Gepäck zum Bus, in dem wir die nächsten 24 Stunden verbrachten, bis wir tags darauf am frühen Nachmittag in Santiago ankamen.

Pauli und Angelo hatten uns den Hausschlüssel hinterlegt, sodass wir erst einmal duschen konnten und anschließend unser Zeugs verräumen.
Abends waren wir zu viert noch einkaufen und es ist einfach so schön gewesen mit an zu sehen wie liebevoll und zärtlich, aber auch aufrichtig und witzig Pauli und Angelo miteinander umgehen.
Wir durften uns aussuchen worauf wir Lust hatten und durften allerdings nichts davon selber bezahlen.
Schon an der Kasse verschwand Angelo plötzlich. „Hä, wo ist er denn jetzt hin?“ , fragte ich, als er mit zwei Flaschen Putzmittel wieder auftauchte. Pauli erklärte mir, dass Angelo immer Putzzeug und so kauft, er putzt auch und hat besser den Überblick was gerade fehlt.
Männer, schneidet euch eine Scheibe ab!
Nachdem wir alles ins Auto verladen hatten, war er wieder verschwunden und kam kurz darauf mit einem Strauß Blumen zurück, Paulis Lieblingsblumen.
Auf dem Heimweg gab es viel zu lachen, unter anderem deshalb, weil die beiden im Handschuhfach zwei rote Clownsnasen haben, die sie manchmal einfach so aufsetzen und dann Kindern in anderen Autos zuwinken 
Der ganze Abend war sehr gesellig und schön, sodass ich sie beim Frühstück am nächsten Morgen direkt vermisste.

Lena und ich fuhren mit der Metro ins Zentrum, um uns ein bisschen mit Santiago vertraut zu machen. Vor der Moneda, dem chilenischen Regierungsgebäude demonstrierten unzählige Studenten für bessere Bildung, und Lena meinte wir müssten hier warten, weil Pauli angeblich Freistunden habe und sich mit uns treffen wolle. (?!)
Naja, etwas komisch, aber ich glaubt ihr. Dann wollte sie plötzlich meinen Schal haben und verband mir damit die Augen „Pauli habe eine Überraschung, die ich nicht sehen dürfe“. Jetzt checkte ich gar nichts mehr. Bis jemand plötzlich den Schal aufknotete und YEKA vor mir stand!
Oh, ich freute mich so, ich konnte gar nichts mehr sagen!
Eigentlich hatte sie vor mich erst am Flughafen zu überraschen, aber da sie schon zwei Tage vorher in Santiago bei ihrem Onkel war, wollte sie die Gelegenheit noch einmal Zeit mit mir zu verbringen nicht auslassen.
Oh, war das ein schöner Nachmittag!

Auch der Abend war besonders schön. Mit Pauli und Angelo haben wir Sushi bestellt und ein richtiges Festmahl am kleinen Wohnzimmertisch gemacht. Wir saßen noch lange zusammen und haben viel gelacht und gequatscht. Da Paulis Papa früher auf der Deutschen Schule war, und ihr als Kind immer „Oh Tannenbaum“ und „Hopp Hopp Hopp, Pferdchen lauf Galopp“ vorgesungen hatte, konnte sie einen Minibrocken Deutsch. Der einzige Satz den sie konnte, und den sie für mich immer wieder wiederholen musste, war jedoch „Aine klllaine Tase Kaffee biiite“ (eine kleine Tasse Kaffee, bitte!)
Die beiden witzelten dass sie später einmal am lago Llanquihue (die Region, in der sehr viele Deutsche Auswanderer leben) ein Hostal aufmachen würden, und welche Aktionen sie an welchen Wochentagen machen würden.































Als Lena und ich am nächsten Morgen aufstanden, waren die beiden schon arbeiten, aber unser Plan fürs Abschiedsgeschenk stand fest: sie bekommen ein selbstgebasteltes Wörterbuch!
Schnell war in der Stadt alles besorgt und dann ging es ans Sätze und Wörter überlegen, die sie im Hostalgewerbe brauchen könnten. Zwischendurch spickten wir die Vokabeln mit selbstgemachten Zeichnungen, Fotos oder einigen Verpackungsetiketten, die wir von sämtlichen Dosen, Flaschen und Schachteln lösten oder ausschnitten.
Nach zwei Stunden war das Werk vollbracht und es sah wirklich schön aus!
Dann richteten wir unsere Koffer so weit zusammen, dass wir sie am nächsten Morgen nur noch zumachen und zum Taxi bringen mussten……….















Meinem lieben Taxifahrer von der Hinfahrt hatte ich schon telefonisch bescheid gegeben. Ein komisches, wehmütiges Gefühl machte sich breit.


Zum letzten mal sahen wir die chilenische Sonne unter gehen, die die hohen schneebedeckten Berge der Anden, in die Santiago hinein gebaut wurde, in orange rot tauchte.

Da ich immer noch angeschlagen war und mir teilweise einfach die Stimmer weg blieb, oder sehr kratzig war, kam Angelo mit ganz vielen Zitronen und Orangen nach Hause, um mir einen Kräutersud zu machen, mit dem ich morgen top fit nach Hause fliegen sollte!
Er presste acht Zitronen, vier Orangen und übergoss das ganze zusammen mit Hierbas Pectorales (bestimmten Kräutern) mit kochendem Wasser. Anschließend mengte er ein halbes Glas (!) Honig darunter und wies mich an den ganzen Krug aus zu trinken.
Das Gebräu schmeckte erstaunlich gut, noch viel viel besser als Kinderpunsch, richtig lecker irgendwie.
Währenddessen brieten Pauli und Lena in der Küche Gemüse und Krabben in Kokossoße an, da wir beschlossen hatten zum Abschied zusammen asiatisch zu kochen.
Das Ergebnis konnte sich sehen lassen, es war definitiv eines der leckersten Essen in Chile!

Nach dem Festschmaus, wollte Angelo von uns wissen, was wir sagen würden, wenn wir unser ganzes Jahr in Chile mit drei Worten zusammenfassen müssten.
Keine leichte Frage.
Doch ohne lange überlegen zu müssen, sprudelte es aus mir heraus: „Tocó mi corazón!“ (Es hat mein Herz berührt)
Anschließend ließen wir zusammen auf dem Balkon jeder ein Wunsch-Licht in den Himmel steigen, wobei wir auch wieder viel zu lachen hatten! 
Dann übergaben wir den beiden unser Geschenk, mit dem sie nicht gerechnet hätten und das ihnen ein Strahlen ins Gesicht zauberte. Es war total schön an zu sehen!
Angelo versuchte sich sogleich in der Deutschen Sprache, und „RAUUUUUS HIER!“ klappte schon ganz gut. Bei dem Rest half ihm Pauli, da die Aussprache doch unterschiedlich ist.
Auch in den letzten Stunden saßen wir lange zusammen, bis uns irgendwann fast von alleine die Äuglein zufielen.

Dann machten wir eine in Chile eher sehr ungewöhnliche Erfahrung: unser Taxifahrer war ÜBERpünktlich! Schon 15 Minuten vor der verabredeten Zeit, klingelte mein Handy. Pauli und Angelo halfen uns mit dem Gepäck und im Morgendunst ging es in Richtung Flughafen.
Die Verabschiedung ging so schnell, viel zu schnell. Irgendwie total unrealistisch. Ich hab die beiden einfach total in mein Herz geschlossen, es sind wirklich zwei ganz besondere Menschen. Und nun sehe ich sie auf unbestimmte Zeit nicht mehr.

Am Flughafen angekommen, stießen bald Maya und Kotete zu uns, die die Nacht über im Bus durchgefahren waren. Eine komische, fast schon vorsichtige Stimmung.
Beim Einchecken konnten wir bei der Flugschalterfrau mit unserem Spanisch punkten, sodass sie uns mit unserem übermäßigen Übergepäck beide Augen ganz feste zudrückte!
Dann tauchte Yeka auf. Sie war richtig traurig und wir versuchten beide nicht zu weinen………haben es aber nicht hin bekommen. Uns blieb noch eine halbe Stunde, bis wir durch die Sicherheitssperre mussten. Auch Maya und Kotete waren sehr still geworden.
Lena ging als erste, auch Maya hatte sich irgendwann unter vielen Emotionen losgerissen. Aber ich konnte einfach nicht. Warum muss ich jetzt gehen? Warum kann ich nicht einfach noch ein kleines bisschen hier bleiben?

Im Steuerfreien Bereich ließen wir noch unsere letzten chilenischen Pesos und versuchten uns gegenseitig ab zu lenken. Jetzt hing ich in der Luft. Alles kam mir so weit weg vor. Bald war ich zu Hause, so langsam stieg die Aufregung alle wieder zu sehen, nach so langer Zeit. Wie würde es sein? Zum anderen war da diese Leere, die Menschen, die ich alle hier lassen musste. Bald würde ich auch Maya und Lena nicht mehr um mich haben, mit denen ich nun ein Jahr lang mein Leben geteilt hatte.
Im Flugzeug schlug ich erst einmal voller Aufregung mein Abschiedsbuch auf, in das mir alle mir wichtigen Personen und die Niños aus meinem Sala und der Therapia etwas geschrieben oder gemalt hatten. Bisher wollte ich es noch nicht wissen, aber jetzt platzte ich fast vor Neugier.
Die schönsten Worte fand Angelo, bei denen mir einfach die Tränen in die Augen stiegen und die Wangen hinunter kullerten.

In Sao Paulo hatten wir einen langen Zwischenaufenthalt. Wir waren müde und unruhig, bis es schließlich in die riesige Maschine in Richtung Frankfurt ging.
Jede Reihe hatte zehn Sitzplätze und mindestens 50 Reihen hinter einander. Das Flugzeug war riesig. Wieder hatte jeder seinen eigenen Bildschirm mit den neusten Kinofilmen für jedes Aller und Geschlecht, Musik, Außenkamera, Spielen, Landkarte etc.
Diesmal versuchte ich erst gar nicht zu schlafen. Drei Filme schaffte ich. Zwischendurch ein bisschen lesen. Mal gab es Abendessen, kurz vor der Landung um 14.30 Uhr bekamen wir noch ein Frühstück serviert.
Alles verschoben, nicht im Rhythmus, wie in einer anderen Welt.
Durch die Passkontrolle waren wir schnell durch, wobei man aber sofort merkte dass man nicht mehr in Südamerika war. Alle drängelten sich vor, jeder wollte der erste sein. Niemand konnte warten. Vor mich quetschten sich zwei Männer. Das hätte es in Chile nie gegeben, die sind irgendwie alle Gentleman.
Nachdem ich mich dann auch freundlich vom Zollbeamten auf Spanisch begrüßt und verabschiedet hatte, und erst später feststellte, dass ich ja jetzt deutsch sprechen muss, fanden wir uns schon in der Gepäckhalle.
Immer wieder ging die Schiebetüre auf und wir konnten unsere Eltern hinter der Glasabsperrung aufgeregt winken und hüpfen sehen.
Ich hatte das Gefühl neben mir zu stehen. Fühlte noch immer den Druck der Landung auf meinen Ohren und in meinem Kopf. – NIE mehr Sandboarding ohne Kopfbedeckung, das schwäre ich!

Meine Mama hatte Tränen in den Augen, hätte sie gekonnt, wäre sie sicher über die Absperrung gesprungen. Doch da das nicht ging rannte sie außen herum.
Dann kam Papa. Beide hatten Blumen und jeweils eine Deutsche und eine Chilenische Flagge dabei. Dann tauchte wie aus dem Nichts Sophie auf! Oh war das schön!
Damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet, da mein letzter Stand war dass sie auf Abifahrt ist.
Moritz konnte leider nicht mit kommen, da er an dem Tag eine Arbeit schreiben musste.











































Anschließend begrüßte ich natürlich auch Lenas Familie und Mayas Eltern. Doch lange standen wir nicht zusammen. Lena hatte uns noch eine Fotocollage machen lassen, die ihre Eltern zum Flughafen mitbrachte, und auf der Eindrücke unseres ganzen Jahres zusammen kamen.
Sie hängt noch immer in meinem Studienzimmer neben dem Schreibtisch und ich erinnere mich immer wieder gerne daran!

Auf der Heimfahrt war alle Müdigkeit wie verflogen. Meine Stimme der einer heißeren Krähe ähnlich, aber die Worte und Geschichten sprudelten nur so aus mir heraus.
Ich glaube ich war etwas zu erschöpft um glücklich zu sein, aber das was ich fühlen konnte war tiefe Zufriedenheit. Neben mir Sophie, die mir einen total süßen Willkommensbrief geschrieben hatte, vorne Mama und Papa.
Irgendwo kurz vor Neresheim muss ich schließlich doch kurz weggenickt sein. Kein Wunder nach 31 Stunden Wach sein am Stück!
Papa weckte mich gekonnt mit einem „aus versehenen“ Stupser ans Knie und der etwas ZU lauten Bemerkung „OH, JETZT IST SIE JA DOCH EINGESCHLAFEN!......“
Doch ich war zu kaputt um das zu durchschauen.
Vertrödelt zog ich meine Schuhe wieder an.
Als wir in die Einfahrt einfuhren dachte ich ich träume schon wieder!
Da standen aufgereiht in der Garage Moritz, viele meiner Freunde, Nachbarn und Bekannte, die mich alle willkommen heißen wollten und mir eine etwas skurrile Version von „Happy Birthday“ abgewandelt auf „Happy Welcome“ sangen.
Ich hab mich riesig gefreut! Das war eine richtig schöne Überraschung!
Danke Danke Danke nochmal euch allen, ich hab mich echt riesig gefreut!!!!



















Ich begrüßte jeden einzeln, nach guter alter chilenischer Art mit Umarmung und einem Küsschen, und erlitt direkt den ersten Kulturschock.
Die Deutschen kennen das gar nicht so! Besonders die Männer und Jungs versteiften sich spürbar und schienen zunächst überrascht über „so viel“ Nähe.
Die sind schon komisch die Deutschen! 

Moritz hatte Essen vorbereitet und die Gäste in Empfang genommen, hauptsächlich war das natürlich der Grund, weshalb er nicht mit zum Flughafen kam! 

Wir saßen noch bis nachts um 1 zusammen. Es war einfach richtig schön so empfangen zu werden und irgendwann fiel ich schließlich nach 36 Stunden nach einem Jahr in das Bett in meinem Zimmer.
Jetzt bin ich also wieder in Deutschland. Zumindest physisch! 

Hier nun noch einmal der kleine Brief mit der letzten Erklärung darüber, wohin die letzten Spenden „gewandert“ sind:

Liebe Spender,

erst einmal ganz ganz arg lieben Dank für das viele Geld das dank euch zusammengekommen ist!
Da am Freitag bereits mein letzter Schultag war, habe ich es direkt noch letzte Woche umgesetzt und den Kindern massenhaft Windeln gekauft. Besonders für die armen Familien ist es dringend notwendig, da Windeln sehr teuer sind und täglich mehrere davon gebraucht werden. Alle haben die Windelpackungen mit nach Hause geschickt bekommen, außer zwei Geschwisterjungs. Deren Eltern sind Alkoholiker und würden das neue Windelpaket sonst gegen Wein oder Schnaps verkaufen. Daher bekommen die beiden immer nur jeweils eine Windel am Tag mit nach Hause geschickt.
Cesar, ein anderer Junge hingegen, hat gleich zwei Packungen heim bekommen. Seine Familie ist super arm und musste letzten Sommer sogar den Kühlschrank verkaufen um essen zu können. Trotzdem kümmern sich die Eltern sehr um ihre Kinder und schicken Cesar immer sauber in die Schule. Das ist gar nicht so einfach, da er nur zwei Hosen besitzt, die er im Wechsel anzieht. Nachdem nun aber endlich der Container mit der Kleidung aus Deutschland im Colegio angekommen ist, fehlt es den Kindern im Moment überhaupt nicht an Klamotten, sodass ich von den anderen Spenden dem Kindergarten eine Plastikbadewanne gekauft habe, damit sie die kleinen ab und zu waschen können, was zu Hause oft viel zu kurz kommt. Die Kinder haben einen Heidenspaß im Wasser und planschen mit strahlenden Augen!
Ansonsten hab ich das Geld dafür verwendet um die Klassenkassen aufzubessern. Die Salas werden mit Gas beheizt und die Kosten für die Gaszylinder teilt sich die Schule gleichermaßen mit der Klassenkasse. Da einige Schüler das erforderliche Geld für das Gas nur schwer zahlen können, werden die Familien so etwas entlastet.

In was ich die restlichen Spenden investiert habe, dazu muss ich euch eine kurze Geschichte erzählen:

Das Colegio hat eine Hausmeisterin: Susana. Sie ist einfach genial, mach alles von fegen, putzen, organisieren, Kaffe vorbereiten, Pausenaufsicht, Kinder vom Bus in die Klassenzimmer bringen, etc. einfach alles. Ohne sie würde in der Schule NICHTS laufen. Sie ist die Mama aller Schüler und das Herz des Colegios.
In letzter Zeit ist sie sehr nachdenklich, da ihre jüngste Tochter ungewollt schwanger ist, was sie für eine Woche ziemlich aus der Bahn geworfen hat.
Sie saß in der Pause mit ganz abwesendem Blick im Lehrerzimmer und kaute auf ihrem Apfel herum.
"Susi, was ist denn los, an was denkst du denn?" wollte ich wissen.
"Ach, an meine Tochter, sie hat heute Geburtstag und wird 17."
"Welche? Die, die schwanger ist?"
"Ja, meine kleine, heute hat sie ihre erste Vorsorgeuntersuchung."
Ich fragte sie, ob sie sie heute Morgen schon gesehen hatte, was sie ihr geschenkt hatte zum Geburtstag.
Sie meinte sie habe sie morgens geweckt und gratuliert, aber sie hat ihr nichts geschenkt, sie kann nicht, sie hat kein Geld.
In dem Moment wusste ich gar nicht was ich sagen sollte.....das einzige was ich in der Hosentasche hatte waren 5000 Pesos, was ungefähr 8 Euro entspricht und es war klar, dass ich sie ihr gab damit sie ihrer Tochter wenigstens eine Kleinigkeit schenken konnte. Susi wollte das Geld zuerst gar nicht annehmen, hat sich dann aber so gefreut, dass ihr die Tränen über die Wangen gelaufen sind und sie mich garnichtmehr loslassen wollte beim Umarmen.

Wir haben uns unterhalten und es stellte sich heraus, dass Susi bei einer 48 Stundenwoche 210 Euro im Monat verdient. Ihr Mann, Jaime arbeitet die Woche über wo anders und kommt nur am Wochenende nach Hause. Früher hat er auch in der Schule gearbeitet und 280 Euro verdient. Weil ihm der Chef allerdings keine Gehaltserhöhung geben wollte, hat er sich eine andere Arbeit suchen müssen. Jetzt baut er Ferienhäuser am Fuße des Vulkans Antuco, wo er 340 Euro bekommt.
Susi und Jaime haben vier Kinder, die alle in die Schule gehen, bzw. studieren. Sie brauchen das Fahrtgeld, Essen, Kleidung, Schulsachen.....und in Chile gibt es im Gegensatz zu Deutschland kein Kindergeld oder sonstige soziale Hilfen.

Letztens hab ich mich nach Jaime erkundigt, wie es ihm geht. „Gut“, meinte Susi, dort, wo er arbeitet hat es mittlerweile einen Meter Schnee und sie müssen jeden Tag schippen. „Wow, Schnee!" Bemerkte ich. Ob ich schon mal dort war, wollte Susi wissen, und ich erzählte von unserem Skiausflug im September. Ich fragte ob sie auch Skifahren könne. Aber sie sagte sie kenne den Schnee gar nicht, war noch nie dort.
Was?! Könnte man da fragen, und das obwohl in Chile die Berge echt nicht weit sind, in Sichtweite sogar! Los Angeles befindet sich genau in der Mitte von Meer und Anden.
Aber letztes Jahr war sie das erste Mal in ihrem Leben am Meer, da hatte sie ihr Bruder nach Concepcion eingeladen.
Außer ihrem Haus, der Schule, Los Angeles und seit letztem Jahr Concepcion kennt sie nichts von der Welt.
Das wären alles Extrakosten, die eben einfach nicht drinnen sind.
"Susi, was machst du am Wochenende?" wollte ich wissen
"Nichts besonderes, warum?"
"Ich lad dich ein nach Antuco, du musst doch den Schnee kennenlernen!"
Sie konnte es kaum glauben und freute sich total!
Leider war das mein letztes Wochenende hier, und genau da hat es so viel geschneit und gestürmt, dass Jaime nicht nach Hause kommen konnte und das Wochenende in Antuco bleiben musste. Susi konnte ihre Kinder nicht alleine lassen, und so konnten wir keinen Ausflug machen...

Sie ist so eine liebe Person, die allen hilft, alles teilt und sich um jeden kümmert. Nie fragt sie nach etwas für sich. Und auch wenn man ihr die Armut nicht so ansieht wie vielen Kindern, braucht sie doch auch Unterstützung, vor allem jetzt, wenn dann auch noch ihr Enkelkind kommt...
Ich habe ihr einen Brief geschrieben, gesagt sie solle ihren Kindern den Schnee und das Meer zeigen und sie kann das restliche Geld sicher gut gebrauchen, wenn das Baby da ist.
Ich hoffe das ist in eurem Sinne.
Vielen vielen Dank nochmal für die bedingungslosen Spenden, ihr habt echt viel bewirkt!
Bis bald in Deutschland,
eure Katharina

Und an dieser Stelle möchte ich einfach DANKE sagen!
Danke an all die lieben Menschen die mich in diesem Jahr begleitet haben, danke an alle, denen ich begegnen und ein Stück meines Weges zusammen mit ihnen gehen durfte, es war einfach eine wunder schöne Zeit, an die ich gerne zurück denke!
Und da das Jahr für mich so überwältigend war, dass mir die Worte für meine Emotionen fehlen, lasse ich ein Gedicht für meine Gefühle sprechen, eines das mich sehr berührt und das ich euch mehr schlecht als recht ins Deutsche übersetzt habe, damit auch ihr die Worte in eurem Herzen bewegen könnt.

Der Baum der Freundschaft
Es gibt Menschen in unserm Leben, die uns durch die bloße Begebenheit glücklich machen,
unseren Weg gekreuzt zu haben.
Manche davon gehen den Weg an unserer Seite und sehen viele Monde vorrübergehen, während wir andere gerade mal zwischen dem einen und anderen Schritt sehen.
Alle nennen wir Freunde und es gibt viele Sorten davon.
Vielleicht charakterisiert jedes Blatt eines Baumes einen unserer Freunde.
Die ersten, die wir kennen lernen ist unser Freund Papa und unsere Freundin Mama,
die uns zeigen, was Leben bedeutet.
Danach kommen die Geschwister, mit denen wir unseren Platz teilen
damit sie blühen können wie wir.
So lernen wir die ganze Familie der Blätter kennen,
die wir respektieren und denen wir alles Gute wünschen.
Desweiteren präsentiert uns das Schicksal andere Freunde, die von denen wir nicht wussten, dass sich unsere Wege einmal kreuzen würden.
Viel von ihnen nennen wir Seelenverwandte, Freunde des Herzens.
Sie sind aufrichtig und ehrlich.
Sie wissen wann es uns nicht gut geht und wissen was uns glücklich macht.
Und manchmal tritt einer dieser Seelenverwandten in unser Herz
und wird zu jemandem, den wir lieben.
Er lässt unsere Augen leuchten, unseren Lippen singen und unsere Füße tanzen.
Meistens gibt es diese Freunde eine Zeit lang,
vielleicht für die Ferien, ein paar Tage, oder ein paar Stunden.
Sie zeichnen sich dadurch aus,
in der Zeit in der wir uns nahe sind Lächeln in unser Gesicht zu zaubern.
Wenn wir von der Nähe sprechen, dürfen wir die weiter entfernten Freunde nicht vergessen, diejenigen, die sich an der Spitze der Zweige befinden und die, wenn der Wind weht
zwischen den Blättern auftauchen.
Die Zeit schreitet fort, der Sommer vergeht,
der Herbst nähert sich und wir verlieren einige unserer Blätter.
Manche sprießen neu im nächsten Sommer während andere viele Jahre erhalten bleiben.
Doch was uns richtig glücklich macht ist, dass die heruntergefallenen Blätter in der Nähe bleiben und unsere Wurzeln mit Fröhlichkeit nähren.
Sie sind Erinnerungen an die wunderbaren Augenblicke als sich unsere Wege kreuzten.
Ich wünsche dir, Blatt meines Baumes, Frieden, Liebe, Gesundheit und Wohlstand.
Einfach weil jede Person, die wir im Leben kennenlernen einzigartig ist.
Sie lässt immer einen Teil von sich und nimmt sich einen Teil von uns.
Ich wünsche dir, dass es viele derer gibt, die einen Teil von dir nehmen können,
jedoch nicht von denen, die nichts von sich zurücklassen.
Dies ist die größte Verantwortung in unserem Leben und eine ewige Herausforderung.
Denn zwei Seelen begegnen sich nie zufällig.



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