Seit meinem letzten Bericht ist so einiges passiert.
Am Anfang des Schuljahres, sprich im März, hat die neue Physiotherapeutin noch nicht im Colegio gearbeitet. Sie fing erst im Mai an. Daher hatte ich sehr viel Freiraum und Zeit für selbstständige Arbeiten und Projekte- was mir total zusagte und worin ich voll aufgegangen bin.
Zusammen mit Lena und den Schülern Dilan, Albano und Carlitos wurde ein Barfusspfad angelegt. Im hinteren Teil des Pausenhofes, vor den Fenstern des Multi-Salas haben wir zuerst die Grasnarbe entfernt, Wurzeln, Steine und misteriöserweise sogar Plastikstifte, Spielzeug und anderen Müll ausgebuddelt.
Anschliessend wurde der Rand (die Grasböschung) mittels biegsamen Holzes befestigt und die einzelnen Felder begrenzt.
Zusammen mit Tio Kike habe ich Sand geholt, der von den drei Jungs begeistert und grosszügig im Ganzen Garten verteilt wurde
Zwischendurch mussten die Chaoten immer wieder einen Abstecher zur Himbeerhecke machen, um sich zu stärken, arbeiteten ansonsten aber eifrig und schwungvoll mit. Sie erwarteten uns schon jeden Tag voller Vorfreude im Sala, sodass die Tias garnichts mit ihnen anfangen konnten bis wir sie nicht für mindestens eine Stunde zum Projekt abholten.
Es war einfach total schön zu spühren wie die Kinder darin aufgehen eine Arbeit zu haben in der sie Verantwortung tragen und sich gebraucht fühlen!
Nach Abschluss des “camino de texturas diferentes” (einigermassen adequate Übersetzung ins Spanische, kam deshalb auch schnell die Idee auf ein neues Projekt zu starten, von dem die Schüler Nutzen haben.
Da das Spielzeug, besonders im Pre Basico, der Sala der dem Kindergarten entspricht, fehlt, beschlossen wir selbs didaktisches Material anzufertigen.
Mite in paar Spanplatten setzte ich mich draussen ins Gras und begann einen Baum, die Copihue (chilenische Nationalblume) und einen grossen Apfel aufzuzeichnen, die spatter zusammen mit einem Schmetterling, einem Wurm, einem Laubblatt und einem Marienkäfer ausgesägt wurden.
Carlos, Dilan und Albano halfen uns wieder beim Abschmirgeln und Anmalen der Gegenstände und wir hatten zusammen einen Heidenspass.
Die restliche Arbeit verrichtete schliesslich die Schreinerei und so konnten wir schliesslich die entstandenen Wandbilder im Sala anbringen, wo die Kleinen nun spiralförmig und eckig mit den Tierchen den Baum, den Apfel und die Copihue entlangfahren können!
Im April begann ich denn wieder mit der Arbeit im “Sala de Estimulation”. Alberto, der frühere Therapeut hatte eine andere Arbeitsstelle im Krankenhaus gefunden, weshalb die Schule eine neue Kinesiologa bekam: Karen.
Anfangs war die gemeinsame Arbeit ein bisschen ungewohnt, da sie eine ganz andere Herangehensweise hat als Alberto.
Aber sie macht das alles mit so viel Liebe und Leidenschaft, dass ich es sogar noch besser finde und mich noch wohler fühle als im vergangenen Jahr!
Wir verstehen uns super und arbeiten Hand in Hand. Mit fast doppelt so vielen Kindern ist das auch echt nötig, aber auch Witz, Geplänkel und vor allem Spass kommen auf keinen Fall zu kurz!
Sie ist auch viel mehr darauf bedacht den Sala für die Kinder so schön wie möglich zu gestalten, weswegen ich an den beiden Tagen, in denen sie nicht da ist nun Bastel und Dekoration anfertige. So schmücken jetzt beispielsweise eine riesengrosse Giraffe, die als Meterstab dient, den Raum, ein jonglierender Clown, der die Geburtstage der Kinder hoch in die Luft wirft lacht von der Wand und ein Stundenplan, als Strandbild getarnt lässt sofort erkennen wer an welchem Tag zur Therapie abgeholt werden muss.
Der verrostete Barren wurde mit weichem Mosgummi umwickelt, sodass die Schüler sich keine kalten Hände mehr holen und nicht direct mit dem Rost in Kontakt kommen.
Am 7. Mai wurde dann in ganz Chile der Tag des Schülers gefeiert, weswegen das gesamte Colegio in die Disco zum Tanzen fuhr.
Es war ein super Tag. Die Besitzer der Diskothek und das ganze Peronal waren als Clowns verkleidet und halfen uns schon beim Ausladen der Kinder aus den Bussen. Jeder Schüler bekam eine eigene Tüte voller Süssigkeiten und es gab Freigetränke für alle. Der DJ traf den Musikgeschmack der strahlenden Niños zielsicher, und die dazugehörigen Musikvideos wurden ebenfalls ausgestrahlt (besonders für die gehörlosen Schüler).
Unsere Kinder waren kaum wieder zu erkennen. Strahlend und singend hüpften und tanzten sie pausenlos von Beginn an bis die Musik erlosch und das Licht anging.
Leuchtende Kinderaugen nahmen die Milch, die von Santiago und Eduardo, den beiden Brüdern, denen das Urbanos (die Disco) gehörte zum Abschied augeteilt wurde entgegen. Und so fuhren die extra für diesen Tag herrausgeputzten und hübsch gemachten Schüler wieder zurück zum Colegio.
Auch in meiner Freizeit ist so einiges passiert.
Zusammen mit Maya und Petra, die auch in Deutschland mit Behinderten arbeitet und sich ein halbes Jahr freigenommen hat um zu reisen und ihre Arbeit hier in Chile kennen zu lernen, bin ich über ein Wochenende nach Antuco gefahren.
Schon im September waren wir einmal dort zum Snowboarden, doch nun im Spätsommer wollten wir eine dreitägige Wandertour um den ganzen Vulkan machen. Man konnte wild campen, weit und breit keine Menschenseele und nur Hitze, Sand und Lavaasche. Es ging steil nach oben und die Aussicht, die sich uns dort bot war fantastisch. Abends zogen stürmische Winde auf und wir mussten das von Paola augeliehene Sechsamannzelt (unter dessen Last Petra jedes mal einen Anflug von Aggression bekam ) mit Steinen sichern.
Abends im Zelt wurde gelacht und erzählt. Erdnüsse verputzt und Aufrtitte von Komikern angehört.
Wir wanderten über einen hohen Pass, sandig und unbefestigt der Auf- und Abstieg. Überquerten Schluchten und Wasserfälle. Der Weg führe durch ausgetrocknete Flussbetten und die Lavaasche unter unseren Füßen knirschte und knackte wie Grillkohle (und die herunterbrennende Sonne trug nicht gerade dazu bei sich nicht wie ein Grillhähnchen zu fühlen ).
Die leblos scheinende Landschaft war total anders als alles andere und gab viel Zeit zum Nachdenken, zum Laufen, zum Schweigen. Es war einfach toll!
In der zweiten Nacht schlugen wir unsere Herberge direkt an einem kleinen, eiskalten Bach auf, in dem wir zu aller erst einmal unsere dampfenden Füße kühlten. Wir saßen draußen zusammen und beobachteten die einbrechende Dunkelheit, den sich verfärbenden rot-orangenen Himmel, der den einzigen Baum, den wir in den drei Tagen zu Gesicht bekamen, eine einsame Araukarie die über uns thronte, in eine spektakuläre Kulisse verwandelte.
Mit dem Rauschen des Wassers schliefen wir schließlich ein.
Der dritte und letzte Tag beinhaltete eine 25 km lange Wanderung entlang einer kaum befahrenen Schotterpiste.
Doch wir hatten unglaubliches Glück! Kaum an der Straße angekommen, näherte sich ein Jeep, der sofort anhielt und uns auf der Ladefläche mitnahm.
Ausgelassen und lachend sangen und grölten wir irgendwelche Lieder, drehten ein Video und genossen die steinerne, graue, an uns vorbeirasende Landschaft.
Die Fahrer hielten einmal kurz um uns mit dicken Wolldecken auszustatten, in die wir uns dankend einmummelten.
Wir dachten wir trampen bis zurück zum ersten Dorf und fahren von dort aus mit dem Bus, doch die Männer waren total lieb und bestanden darauf dass wir sie zum Grillen begleiteten.
Unter der kleinen Gartenlaube einer super gastfreundlichen und herzensoffenen Familie schlachteten sie eine Ziege (ich konnte nicht zusehen und bin in den hinteren Teil des Gartens zu den Pflaumenbäumen gegangen). Alles voll profesionell, das war efinitiv nicht das erste Mal.
Da ich Vegetarierin bin, hielten sie sogar extra an einem kleinen Gemüseladen um Salat, Tomaten und Gurken zu kaufen, damit ich auch was essen konnte. Die waren einfach unglaublich!
Nachdem wir uns also als Grillmeister versucht hatten und das Fleisch vor sich hin schmorte, nahm uns Santiago, der ältere der beiden Brüder mit auf die Weide. Eine steile Bergalm, die vorbei an hochgelegen mit Ochsen bepflügten Feldern liegt und von wo aus man bei gutem Wetter bis zum Rio Bio Bio sehen kann.
Auf dem Rückweg sammelten wir Maronen direkt vom Baum und unterhielten uns beim Essen schließlich ausgelassen mit den Gastgebern.
Da Santiago und Eduardo ebenfalls aus Los Angeles waren, ließen sie keinesfalls zu dass wir den Bus zahlen und boten sich als Chauffeur an.
Jedoch durften wir nicht nach Hause, ehe wir nicht auch bei ihnen daheim vorbeigeschaut und ihre Familie kennengelert hatten.
Das war vielleicht krass. Die beiden leben in einer Riesenvilla, mit Pool, einem großen Hof, acht Autos, einem Prunkvollen, dreiräumigen Wohnzimmer mit Glastischen, weißen Teppichen und einer Harley Davidson, die zur Zierde herumsteht. Sie ist blank poliert und eines der einzigen zehn Modelle, die davon weltweit existieren.
In einem Nebengebäude haben sie eine Art Party-Grill Zimmer. Mit Giebeldach, hoher Decke, einem riesen Grill mit Abzug, einer rustikalen Holzbar, einem unsagbaren Weinlager, etc. Voll gemütlich aber echt pruknvoll.
Da kommt man eben von einer armen Familie, die draußen unter der Weinlaube essen, in einem Holzbretterverschlag wohnen und ein einfaches Leben führen, in so eine Luxus Villa.
Wie sich herrausstellte sind die beiden Besitzer einer der Szene Discos hier in Los Angeles: dem Urbanos ( in dem wir ja später wie oben schon erwähnt mit den Schülern waren).
Aber die sind überhaupt nicht angeberisch oder eingebildet. Voll normal, herzlich und lieb. Nicht so dass sie sagen “haha, ich hab Geld und du nicht”, sondern dass sie alles was sie haben wie selbstverständlich teilen.
Natürlich mussten wir zum Abendessen mit der ganzen Familie bleiben, ein witziges Unterfangen bei dem wir viel gelacht haben.
Es war einfach so irreal dass wir so was erleben dürfen. Da wollten wir nur eine Wanderung machen, hatten unglaubliches Glück mit dem Wetter (das letzte schöne, warme Wochenende in diesem Jahr), wurden auf Anhieb beim Trampen mitgenommen, durften Grillen und so liebe Menschen kennen lernen und wurden dann auch noch zum Abendessen eingeladen!
Zum Abschied schenkte mir Santiago noch eine Flasche selbst gemachten Aji, eine Soße aus gemalenen Chillischoten- scharf und unglaublich lecker!
Und er lud mich ein mir zu zeigen wie man Aji macht!
Spät abends fuhren sie uns dann das letzte Stück heim und vor lauter neuer Eindrücke und begeisternden Erfahrungen konnte ich überhaupt nicht schlafen.
Ach ja, dann hatte ich ja auch noch Geburtstag, den ich sicherlich immer in Erinnerung behalten werde!
Mein Geburtstag war voll schön!
Schon nachts hat Yeka angerufen und mir mein erstes cumpleaños feliz gesungen
Morgens ham mir Lena und Maya Geburtstagsfrühstück vorbereitet und Kuchen in Herzform gebacken.
In der Schule hab ich mich direkt bei der ZVS für Medizin eingeschrieben, da genau am 19. April die Bewerbungsverfahren losgingen. Immer wieder kamen Tias zum Gratulieren vorbei, und die ganz Kleinen haben mir alle zusammen ein Ständchen gesungen. Einer der Schüler ist direkt auf mich zugestürzt und hat mich richtig umgeschmissen- wir mussten beide total lachen.
Am süßesten war Fredy. Er ist einfach zum Knuddeln. So herzlich und fröhlich und richtig richtig lieb. Dann sagt er immer: „Tía? – Tía, te quiero, Tía!“ Da geht einem einfach nur das Herz auf!
Nachmittags kam Christian aus dem Multi ganz ungeduldig und vorfreudig in die Turnhalle, um mich mit verbundenen Augen in den Sala zu führen.
Den Sporttaller, den ich gerade leitete, hat Lena für mich dankenswerterweise zu ende geführt.
Multi war total süß! Die Kiddies haben mir Bilder gemalt, die jetzt mein Zimmer schmücken, und sie haben voll leckere Obstspieße mit Schokosoße gemacht! Total lieb!
Nach der Schule, haben wir uns noch mit Yeka in der Stadt getroffen, da sie abends eine Prüfung hatte und leider nicht komen konnte. Lena war schon vorgegangen nach Hause, wo ich wegen einer Überraschung nicht zu früh auftauchen durfte….
Dann sind wir in die Wohnung.
Zuerst wurden mir die Augen verbunden und die Jacke ausgezogen, dann stülpte mir Maya ein enges Oberteil über, zum zubinden.
„Oh Gott“, dachte ich, „das fühlt sich total komisch an, hoffentlich ist das jetzt kein Geschenk…!“
Sie führten mich ins Wohnzimmer und nahmen mir die Augenbinde ab.
Tatatataaaaaaaaaaa!
Das komische Kleidungsstück stellte sich als Kimono heraus, mit chinesischen Schriftzeichen, den sie beim Kleidersortieren in der Schule ausgeliehen haben (uff, Glück gehabt :P).
Der Tisch war liebevoll gedeckt für fünf Personen (ich wollte nicht so groß feiern, nur mit den aller engsten Freunden), mit Set, Servietten, Gläsern und Essstäbchen.
In der Mitte stand ein Geschenk.
Darin befand sich ein Sushi-Set. In der Küche warteten schon alle Zutaten und die Sushi-Session konnte beginnen!!!
Echt ne coole Überraschung und voll süß vorbereitet!
Maya und ich haben fleißig gerollt und sogar Lena konnten wir davon überzeugen sich Suhi ohne die Algenblätter zu machen, was sie dann doch ganz lecker fand
Um kurz vor acht klopfte Ramiro an die Tür und streckte mir freudestrahlend eine riesige aus Luftballons gedrehte Blume entgegen.
Ich hab mich oz gefreut, so eine simple und doch soooo schöne Idee.
Gerade drehte ich mich um, um sie zu den anderen Geschenken auf meinen Geburtstagstisch zu stellen, da zieht er hinter seinem Rücken einen reisengroßen schwarzen Müllsack vor und leert ihn kopfüber auf dem Wohnzimmerboden aus!
Heraus fielen unzählige Blumenblüten und Bienen, alle aus Luftballons liebevoll zusammengeknüft; und ein witziger Luftballon-Krebs mit langen Scherenarmen und Glubschaugen!
Echt alles alles voller Luftballons, bunt durcheinander!!!
Ich hab mich sooooo gefreut- man, muss das eine Arbeit gewesen sein, bis er die alle gamacht hat! Voll das schöne Geschenk!
Noch jetzt schmücken fliegende Luftballonbienen unsere Fenster. Die Badtür erstrahlt in bunter Blütenpracht und überall an den Wänden und im Wohnzimmer hängen Luftballons!
Wir haben eine Runde „Was bin ich?“ gespielt, bis endlich Pao kam, und die Runde komplett war.
Pao war supersüß! Sie hat mir einen Kissenbezug mit meinem Namen bestickt und einer Schnecke dazu (weil wir immer sagen dass sie eine Schnecke ist). Voll schön und echt was Persönliches!
Ich fands klasse und war total feliz. Gleich in der ersten Nacht hab ich darauf geschlafen!
Das Sushi war superduper lecker und steht dem im Restaurant in Nichts nach- im Gegenteil!
Zum Nachtisch gabs Vanilleeis mit heißen Himbeeren und wir hatten ne Menge Spaß!
So gegen Mitternacht bin ich dann glücklich und zufrieden in mein Bett gefallen.
Was für ein schöner Geburtstag!
Hallo, das sind wirklich super schöne Bilder ! Zudem finde ich das Blog hier auch echt gut und ich schaue gerne mal wieder rein, Gruß Peter
AntwortenLöschen