DA BIN ICH !!! *g*

Sonntag, 22. August 2010

Wochenzusammenfassung

Unsere Wohnung ist mittlerweile bewohnbar ;) Beim Homecenter haben wir letzte Woche Adapter, Plastikgeschirr fuer die Schule, einen Duschvorleger fuers Bad, einen Foehn, Plastikhaken und Sekundenkleber gekauft. Die komischen labberigen Klebestreifen, die bei den Haken dabei waren halten noch nicht einmal ein Geschirrhandtuch. Da wir aber keine Naegel, Schrauben oder sonstiges in die Waende machen duefen, blieb uns leider nichts anderes uebrig als die Klebstreifen mit Sekundenkleber an die Haken, und mit der anderen Seite mit Sekundenkleber an die Wand zu kleben. Es haelt!!!! Alle unsere Jacken, Handdtuecher und sonsitges Gehaengsel ist aufgeraeumt. Gestern Nachmittag war dann großer Wohnungsputz angesagt- drei Stunden alles Fegen, Wischen, den Kuehlschrank und das Bad putzen (Einzelheiten werden aus Ekel-Gruenden lieber nicht erzaehlt), auch unter dem Teppich, wo wir misterioeserweise unbekannte Fussabdruecke entdeckt haben. Wahrscheinlich hat sich der Vermieter gedacht er muss gar nicht putzen- der Teppich verdeckt ja den Dreck! 

In Los Angeles kennen wir uns auch schon besser aus. Die durch das Erdbeben zerstoerten Haeuser und die davon uebrig gebliebenen Schutthaufen durchziehen das Stadtbild immernoch sehr. Ueberall streunen Strassenhunde herum, und in einem Viertel haben besonders viele Strassenhaendler mit Obst, Gemuese, Empanadas, Schuhen, Jacken, Muetzen, Ketten, Schmuck, Hueten, Schaelchen, Gewuerzen…eigentlich ALLEM, ihre Staende aufgebaut. An einem habe ich ein etwa 2-3cm langes, vielleicht 0,5cm breites Roehrchen gefunden, das an beiden Enden mit Tonraendern und Mustern verziert war. Da keiner von uns wusste was das darstellen sollte, hab ich das Maedchen gefragt, dem der Stand gehoerte. Sie hat uns darueber aufgeklaert, dass man damit Mariuhana raucht! SO gaz beilaeufig, als ob das hier alltaeglich sein! 

Der Wochenanfang war sehr kalt, trueb und stuermisch- in einer Nacht hat es so viel geregnet, dass Teile des Schulgelaendes am Morgen unter Wasser standen. In allen Salas und vor jedem Eingang war Saegemehl auf dem Boden verstreut, um zu verhindern dass man mit nassen Schuhen die Zimmer vrdreckt. Mit Saegemehl!!!! Das is voll die Arbeitsbeschaffungsmassnahme fuer uns Tías- bis das wieder zusammengekehrt ist!!!
Auch einem der Rehe aus dem Wildgehege war es wohl etwas zu nass, denn ploetzlich stand es mitten in der Aula. Die Tiere koennen wenn sie Lust haben hier immer so rumlaufen. Eine der Tías hat es allerdings schnell wieder zur Tuer rausgeschoben 
Am Freitag durften wir frueher nach Hause, weil wir in die Llavanderia mussten, um endlich unsere Klamotten zu waschen. Eigentlich hatten wir das am Samstag vor- sind da aber zusammen mit Tía Paola und dem Physiotherapeuten Alberto zu einer Schuelerin gefahren.
Die Waescherei ist zu Fuss etwa eine Viertelstunde entfernt (zumindest wenn man zwei Waeschekoerbe mit sich rum traegt), ausserdem war es ziemlich warm und wir haben richtig geschwitzt. Am Montag noch waren wir extra dort, um nach den Oeffnungszeiten zu sehen, doch als wir ankamen erklaerte uns eine Angestellte, dass sie seit zwei Tagen umgezogen seien, in den Supermarkt Santa Isabel. Toll! Vor vier Tagen stand davon halt noch garnichts an der Tuer- wieder so ne chilenische Spontanaktion!  Besagter Supermarkt befindet sich auch noch ausgerechnet direkt neben unserem Apartement, was fuer uns hiess: den ganzen Weg wieder zurueck!!!
Unverhofft erschien jedoch der Besitzer, der Lena schon mal im Supermarkt begegnet ist und sich noch an sie erinnern konnte. Er bot uns an, uns samt der Waesche zur anderen Fiiale gefahren! Super nett! Das Beste war auch noch, dass die Waschsalons nicht wie in Deutschland selbstbedienungsmaessig funktionieren (wir hatten schon Buecher fuer die Wartezeit dabei) sondern wir die Waesche einfach nur abgeben mussten und sie einen Tag spaeter gewaschen und gebuegelt (!) wieder abholen konnten.

Die gesparte Wartezeit haben wir dazu genutzt um im Zenturm eine Schneiderei aufzusuchen, um uns Delantales schneidern zu lassen. Die Eigentuemerin hatte ihre Enkelin Catalina (vielleicht 10 Jahre alt) mit im Laden, die sich voll suess angestellt hat. In 18 Tagen duerfen wir unsere Massgeferitgten Delantales mit eingesticktem Namen abholen. Einzelheiten moechte ich noch nicht verraten- jeder hat sich einen unterschiedlichen Stoff und ein unterschiedliches Modell ausgesucht- Bilder folgen dann wenn wir sie haben.

Ausserdem waren wir abends noch in einer Kampfkunst-Schule unter anderem fuer Karate, Taichi und Pilates besucht, und werdem schon am Montag unser ersten Probetraining machen. Ich wuerde mich voll freuen wenn die Kurse sich mit unseren Arbeitszeiten vereinbaren lassen, Taichi wollte ich schon immer mal probieren!
Am Samstag ging es dann wie schon erwaehnt zum „Haus“ von Conny- einer alumna…..jedes Tier in Deutschland lebt besser als diese Familie.
Als wir ankamen, waren die Eltern gar nicht da.Die sechs Kinder lagen noch allesamt total verdreckt in den insgesamt drei „Betten“, die fast die halbe Huette ausfuellten. Es roch wiederlich. In den Betten lagen Saegespaene, Dreck, eine verletzte Taube und Conny, mit dreckverschmiertem Gesicht. Eine Schwester und ihr aelterer Bruder haben Fernseh geguckt!!! Die Familie hat kein fliessend Wasser, kein Klo, nichts zum Waschen, Duschen, keinen Herd- nur eine Feuerstelle, die das ganze Kabuff vollqualmt- aber einen Fernseher!!!
Die Kleidung der Geschwister war starr vor Schmutz, die Huette hatte keinen Boden, immerhin aber teils Holzroste zum darauf Laufen.
Die aelteste 16-jaehrige Schwester war total desinteressiert, spielte mit ihrem Hany (!) und war aeusserlich ziemlich gepflegt. Um ihre kleineren Geschwister hat sie sich jedoch nicht gekuemmert. Die neunjaehrige Naia hingegen half Conny aufstehen, zog ihr eine Hose an, kaemmte die vielleicht fuenfjaehrige Schwester und kuemmerte sich um den zweijaehrigen Oliver. Mit den vieren gingen wir zum Nachbarn, um im Schubkarren Wasser zurueck zu transportieren- auch das ging von Naia aus. Sie wirtke schon richtig erwachsen.
Vor dem Haus haben wir mit den Kindern Ball gespielt und sie im Schubkarren spazieren gafahren. Zwischendurch kamen die Hunde und ein Kaetzchen- alle nur noch Skelette mit Fell ueberzogen.
Teilweise konnte man in das aus Spanplatten, Plastiktueten und Wellblech zusammengehaemmerte Kabuff hineinschauen, durch das es im Winter fuerchterlich ziehen muss.
In der Zwischenzeit reparierte Alberto die Wasserpumpe, die kaum klares Wasser ausspuckte. Wir wuschen den kleinen die Haende und das Gesicht und verteilten die mitgebrachten Kekse. Ueberall trat man auf Muell, Essensreste, rostigen Schrott, Holz, Naegel, Plastik.
Irgendwann ist die Mutter dann doch noch aufgetaucht und hat Alberto zugeschaut.
Paola erzaehlte uns, dass die Huette bis vor einem halben Jahr nur aus Plastikplanen bestand, ohne Fenster, finster, duester, dunkel. Mit den anderen Praktikantinnen zusammen haben sie die Front mit Spanplatten zugenagelt und zwei „Fenster“ eingebaut und eine „Tuere“ angebracht, wo vorher nur Vorhaenge den Eingang verdeckten.
Mir wurde ganz anders. Sie leben so verwahrlost, so arm. Und wir koennen so gut wie nichts dagegen machen. Das macht mich traurig, wuetend und hilflos zugleich. Wir leben echt verwoehnt und jammern auf sehr sehr hohem Niveau. Das sollte uns wirklich zu denken geben.

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